Im August desselben Jahres und, wie es scheint, noch auf derselben Jagdreise begriffen, wurde dem Kurfürsten und seiner Gemahlin angesagt, daß der Hammerherr Heinrich von Elterlein auf dem Löwenthal so schöne Fische in seinem Teiche und sonderlich große Forellen hätte, die er lange gemästet habe. Da ließ der Kurfürst mit seiner Familie sich anmelden, daß er dem Fischzug beiwohnen und denselben sehen wolle. Um 10 Uhr früh kam der Kurfürst selbst mit seinem Jägermeister und anderen Hofoffizieren und bestellte die Mahlzeit, mittlerweile wurde der Teich gefischt; von dem Fischzug bekam der Kurfürst 3 Mandel der schönsten Forellen, darunter war eine, die 8 Pfund wog. Es wurden die Fische in Gegenwart des Fürsten von Darmstadt, der um ein Fräulein aus dem kurfürstlichen Hause freite, gesotten und zu Crottendorf auf die Tafel getragen, darüber sich alle verwundert haben. In des Hammerherren Stube wurde auf zwei Tafeln gespeist unter grünen Birken, doch war der Fehler begangen worden, ehe sie sich zu Tische setzten, hatte man zwar Kannen und Gießbecken aufgesetzt, aber kein Wasser drein gethan. Da nun der Jägermeister dem Kurfürsten Wasser aufgießen wollte, war keins drinnen, da gab es ein gutes Gelächter. Der Kurfürst zeigte sich fröhlich, ritt spät von dannen, dankte mit der Hand, auch der Wirtin, die in der Küche geschäftig war. »Ei,« sagte er, »habt Ihr nicht eine räucherige Küche, doch die Küchen sind nicht anders. Gute Nacht!« Den 23. August hielt der Kurfürst ein Abschießen bei Neudorf, und es war kurzweilig dabei, denn die Crottendorfer hatten einen Bauern auf die Wache gestellt, damit er aufmerke, wenn der Kurfürst aufsäße und wieder nach Crottendorf wolle. Der Kurfürst allein und zu Fuß traf den Bauern auf einem Hügel sitzend an; letzterer aß ein Stück Brot und der Kurfürst setzte sich zu ihm. »Hast Du den Kurfürsten schon gesehen?« fragte er ihn. »Nein, ich soll aufsehen, wenn er wird auf sein.« »Wer, denkst denn Du, wer ich bin?« Der Bauer sieht ihn an, ohne den Hut zu ziehen und ohne eine Reverenz zu machen und spricht endlich: »Ich sehe wohl, daß Ihr ein Herr seid, Ihr habt doch Stiefel an.« Während des weiteren Gespräches kommen die Jäger hinzu und verwundern sich. Der Kurfürst aber lacht und spricht: »Einen solchen tölpischen Fichtelberger habe ich im Gebirge noch nicht gesehen«, und läßt ihm venedische Seife geben, d. i. ergänzt der Chronist, die Haare ein wenig zausen. Von Crottendorf schickte der Kurfürst zwei Waldhüter mit drei Wildtauben nach Annaberg und verehrte dem Superintendenten, dem Kapellenprediger und dem Hospitalpfarrer jedem eine. Als er in Steinbach 300 Stück Wild abgeschossen und auch ein Abschießen in Mauersberg gehalten hatte, kam er von Crottendorf nach Schlettau und fischte daselbst zwei Teiche. Hier ereignete sich's, daß der Bäcker Auersbach auf dem Teichdamm einen Fußfall vor dem Kurfürsten that und um Verzeihung seinen Herrn anflehete. Er hatte nämlich an seinem Krautzaun ein Stück Wild am Fuß in einer Schlinge gefangen. Kurfürst: Was wolltest Du damit machen? Bäcker: Ach, gnädigster Kurfürst und Herr, ich wollte dem Stück Wild nichts am Leben thun, sondern nur ein paar Schläge geben, weil es mir das Kraut abgefressen hatte. Kurfürst: Ja, Dir sollte man Schläge geben. Wenn ich Deines grauen Kopfes nicht scheute, wollte ich Dir weisen, wie Du mein Vieh hegen solltest, laß ich doch Dein Vieh auf meinem Grund und Boden gehen und zürne nicht darum, gehe und hüte Dich.

Am 9. August 1628 hielt der Kurfürst ein Abschießen zwischen Steinbach und Grumbach, er erlegte dabei 570 Stück Wild. Er ließ auch den Herrn Peter Versmann, Pfarrer zu Arnsfeld, vor sich predigen, und da ihm seine Gaben wohl gefielen, versorgte er nicht allein sein Haus mit Wildbret, sondern er befahl auch seinen Leibärzten, sie sollten den armen Mann, weil er wassersüchtig war, doch heilen. Die Ärzte versuchten ihr Heil, trieben zwar das Wasser heraus, aber der Pfarrer fiel in die Schwindsucht, woran er starb. »Gesegne euch Gott, ihr Hölzer, ich sehe euch nicht wieder,« waren die Abschiedsworte des Kurfürsten an sein erzgebirgisches Jagdgebiet.

Die Fanfaren der kurfürstlichen Jäger sind in unserem Erzgebirge schon seit langer Zeit verstummt, der Reichtum an Wild ist verschwunden, dennoch ist die Poesie in unseren Wäldern nicht ganz dahin, denn noch hört man, wenn auch vereinzelt, in unseren Staatsforsten auf dem Kamme des Gebirges den Schrei des Hirsches und noch lacht in hoher Krone der Auerhahn!

Nach Lungwitz.

c. Jagdfronden der Obererzgebirger.

Eine große Last waren die Jagddienste, welche die Unterthanen zu leisten hatten. Im Amte Crottendorf hatten von 302 Mann die eine Hälfte die Seile in die Wildhecken einzubinden, wieder aufzuheben und vor den Seilen aufs Wild zu warten; die andere Hälfte hatte die Netze, Tücher und Seile aufzuhängen und zu trocknen, sowie das Jagdzeug auf die Wolfsjagd zu fahren. Zu den Netzfuhren mußten auch die Hammermeister Vorspann leisten und erhielten dann von den dienstpflichtigen Dorfschaften für 4 Pferde 16 Groschen, für 2 Pferde 8 Groschen. Außerdem hatten die Dorfschaften noch die Wildbretfuhren, die Abfuhr des erlegten Wildes, zu leisten, die Hammermeister, zwei Jäger mit Jägerburschen, Hundebuben und Hunden, nach Gelegenheit der angestellten Jagden mit Herberge und Mahl zu versorgen. Zu einer im Jahre 1564 beabsichtigten kurfürstlichen Jagd im Erzgebirge wurden erfordert: im Amte Lauenstein 6 Wagen und 268 Mann, im Amte Altenberg 36 Wagen und 352 Mann, im Amte Dippoldiswalde 17 Geschirre ohne Lohn, 13 für 12 Groschen täglich und 64 Mann, im Amte Stollberg 77 Geschirre und 293 Mann, im ganzen also 155 Geschirre und 1277 Mann zu Fuß. Im Amte Lauterstein waren 700 Mann zu Jagddiensten verpflichtet. Von den Dorfschaften des Amtes Augustusburg mußten im Jahre 1585 Dorfschellenberg, Grünberg und Marbach zu den Netz- und Zeugfuhren jede zwei Wagen stellen. Genügte das nicht, so mußten die 482 Anspanner der anderen Amts-Dorfschaften helfen und erhielten dann für jeden Wagen täglich 1 Gulden. Die Gemeinden zu Krummhennersdorf, Dorfschellenberg, Euba, welche die Wolfsnetze und das im Amte gepirschte Wildbret auf die Augustusburg oder nach Zschopau fuhren, erhielten für jeden Schlitten 5 Groschen, eine Kanne Bier und ein Hofbrot. Die Richter zu Flöha, Gornau, Metzdorf mußten jeder einen Wagen stellen, die Anspanner von Hennersdorf im Winter für das Wild Heu in die Mörbitz und hinter das Schloß fahren und jährlich zweimal hinter dem Schlosse die Hirschlecken schlagen und erneuern, den Lehm dazu schlagen und erneuern. Sie erhielten täglich ein Hofbrot. Alle Einwohner des Amtes mußten zur Wolfsjagd als Läufer dienen, bei jeder dritten Reihe die Häusler, doch waren 100 Mann aus verschiedenen Dorfschaften ganz befreit.

Zur Erleichterung dieser Beschwerden, zur Verschonung der armen Unterthanen und Ersparung großer Kosten errichtete der Kurfürst 1560 in allen Kreisen Jagdzeughäuser, in welchen das für den betreffenden Kreis notwendige Jagdzeug verwahrt und wodurch die Nachführung desselben auf zu große Entfernungen vermieden wurde. Andere Erleichterungen suchten sich manche Gemeinden selbst zu verschaffen. So erboten sich die Untertanen des Amtes Grünhain, wenn ihnen die Fronen bei der Wolfsjagd erlassen würden, 100 Mann jährlich 5 Wochen lang zur Räumung der Wege im Amte Schwarzenberg auf eigene Kosten zu stellen und zu unterhalten. Auch die Erhaltung der Jagdhunde führte Belästigungen mit sich. Während der Zeit, in welcher die Hunde zur Jagd nicht gebraucht wurden, ließ der Kurfürst August sie in die Ämter zur unentgeltlichen Verpflegung verteilen.

Nach Schlegel.

d. Ein Jagdaufzug mit erzgebirgischen wilden Tieren in Dresden.

Im Jahre 1662 hielt Christian Ernst, Markgraf zu Brandenburg, mit Erdmute Sophia, Kurfürstl. Prinzessin zu Sachsen, in Dresden Hochzeit, bei welcher der damalige Kurprinz Johann Georg III. und nachmalige Kurfürst einen Jägeraufzug ausführte.