Nach Arnold und M. Chr. Lehmann.
2. Entstehung der Orte in Annabergs Umgegend.
Die Ansiedelungen im oberen Erzgebirge sind von sehr verschiedenem Alter. Es läßt sich die Zeit der Gründung der einzelnen Städte und Dörfer nur annähernd bestimmen. Im allgemeinen gilt, daß die Bebauung für das Gebirge später eintrat, als für das Niederland und der Bergbau auch in ältester Zeit Anlaß gab, die sonst gemiedene Wald- und Berggegend zur Wohnstätte zu wählen. Aus der Benennung, welche man den Ansiedelungen gab, läßt sich schließen, daß z. B. die Städte des oberen Gebirges: Lößnitz, Zwönitz, Zöblitz, Schlettau bereits während der Zeit der Sorben-Wenden, also vor dem 10. Jahrhundert gegründet worden sind.
Um das Jahr 1173 wurde das Kloster Zelle bei Aue durch Mönche aus dem Kloster zu Zelle bei Freiberg gegründet. – Vorher, im 11. Jahrhundert, mögen zum Schutz und Trutz die Burgen Wolkenstein und Schwarzenberg mit den sich anschließenden Stadtgründungen entstanden sein. Elterlein scheint seine Entstehung dem Bergbaue auf Eisen im 12. Jahrhundert zu verdanken.
Unter Markgraf Heinrich dem Erlauchten, vielleicht auch früher, entstand westlich von Elterlein die Ansiedelung von Grünhain. Daselbst stiftete, wahrscheinlich 1238, Meinherr II., Graf zu Hartenstein und Burggraf zu Meißen, das Kloster Grünhain und stattete dasselbe 1240 mit zehn Dörfern der Umgegend aus. Später kamen teils durch Kauf, teils durch Schenkung noch andere Besitzungen hinzu, sodaß eine große Anzahl Städte und Dörfer dem Kloster gehörten und sein Gebiet im 15. Jahrhundert sich bis unterhalb Zwickau und einige Meilen nach Böhmen hinein erstreckte. – Außer dem Kloster Grünhain gehört dem 13. Jahrhundert noch die Entstehung der Stadt Ehrenfriedersdorf, d. i. Herrenfriedersdorf, um 1240 an.
Das Städtchen Geyer ist um 1395 infolge der reichen Anbrüche auf Zinn, Silber und Kupfer von Ehrenfriedersdorf aus angelegt worden. – Bald nach der Ansiedelung in Geyer soll zu Anfang des 15. Jahrhunderts ebenfalls infolge des Bergbaues die benachbarte Stadt Thum entstanden sein.
Die um Annaberg gelegenen Dörfer Frohnau, Kleinrückerswalde, Geyersdorf u. a. sind früheren Ursprungs als Annaberg und Buchholz.
3. Entstehung Annabergs und anderer Bergstädte des Obererzgebirges.
In dem bei der Teilung 1485 von Albert gewählten Meißnerlande war nach dem Tode dieses Fürsten im Jahre 1500 sein Sohn Georg der Bärtige (1500–1539) gefolgt. Dieser war der eigentliche Gründer von Annaberg, da sein Vater zu jener Zeit als »des Kaisers gewaltiger Marschall und Bannermeister« Krieg mit den Niederländern führte und seinem Sohne während seiner Abwesenheit die Regierung des Meißnerlandes übertragen hatte. Als Georg 1500 zur selbständigen Regierung gelangte, bewies er der durch ihn gegründeten Stadt vor allen seine Gunst und Zuneigung und besuchte die reiche Bergstadt mehrmals von Dresden aus. Er spendete bedeutende Beihilfen zum Bau der schönen Annenkirche (1499–1525), ließ das Franziskaner-Kloster (1502–1512) erbauen und begnadigte die Stadt mit vielen Rechten und Freiheiten.