39. Der obererzgebirgische Schauplatz des Prinzenraubes.

a. Altes Volkslied.

Wir wollen ein Liedel heben an,
Was sich hat angespunnen,
Wie's in dem Meißnerlande gar schlecht war bestallt,
Als sein jungen Fürsten geschah groß Gewalt
Durch den Kunzen von Kaufungen, ja Kaufungen.

Der Adler hat uf den Fels gebaut
Ein schönes Nest mit Jungen,
Und wie er einst war geflogen aus,
Holete ein Geier die jungen Vögel raus,
Drauf wards Nest leer gefungen, ja gefungen.

Wo der Geier uf dem Dache sitzt,
Da trugen die Küchlein selten;
Es wären mein weele ein seltsam Narrenspiel,
Welcher Fürst sein Räten getrauet soviel,
Muß oft der Herrschaft entgelten, ja entgelten.

Altenburg, du bist zwar eine feine Stadt,
Dich thät er mit Untreu meinen,
Da in dir waren all Hofleut rauschend voll,
Kam Kunze mit Leitern und Buben toll
Und holte die Fürsten so kleine, ja so kleine.

Was blies Dich, Kunz, für Unlust an,
Da Du ins Schloß mir steigest,
Und stiehlst die zarten Herren raus
Als der Kurfürst aber war nicht zu Haus',
Die zarten Fürstenzweige, ja Fürstenzweige.

Es war wohl als ein Wunderding,
Wie sich das Land beweget,
Was uf allen Straßen warn für Leut,
Die den Räubern nachfolgeten in Zeit,
Alles wibbelt, kribbelt, sich bereget, ja bereget.

Im Walde dort ward Kunz ertappt,
Da wollt he Beeren naschen,
Were he in der Hast sacken fortgeritten,
Das ihm die Köhler nit geleppischt hätten,
Hett he sie kunt verpaschen, ja verpaschen.

Aber sie wurden ihm wieder abgejagt
Und Kunz mit seinen Gesellen
Uf Grünhain in unsers Herrn Abt Gewalt
Gebracht und darnoch auch uf Zwickau gestalt,
Und mußten sich lan prellen, ja lan prellen.