Tschran berichtet weiter, daß in der Hauptkirche über dem Ratschore ein hölzernes Wappen in verändertem Aussehen angebracht gewesen sei. Leider konnten wir dieses nicht ausfindig machen. Es wird folgendermaßen beschrieben:
»Im Schilde siehet man einen viereckigten Thurm im blauen Felde, mit offnem Thore, daran ein Schild mit 3 Geyersköpfen hängt. Der Helm darüber ist offen, mit einer goldnen Crone, und oben darauf ein Rittelgeyer befindlich.«
Auch das größere und kleinere Stadtsiegel, sowie das Bergamtsiegel werden geschildert. Aus ersterem hat sich fast ohne Veränderung das heutige Stadtwappen entwickelt. (Siehe die Bildertafel!) Die Farben sind folgendermaßen angegeben: Der Turm im blauen Felde ist rötlich. Auf jeder Seite stehen sieben goldene Sterne. Das Dach ist schieferfarben und trägt zwei goldene Knöpfe mit Fähnlein. Der Schild ist silbern und zeigt drei Geierköpfe in ihrer natürlichen Farbe.
Das Wappen von Geyer ist außerdem noch auf dem sogenannten Dreilagensteine zu finden. Dieser ist ein uralter Grenzstein. Auf ihm sieht man das Wappen von Geyer, das des Abtes von Grünhain und dasjenige der Herren von Schönburg. Das Wappen von Geyer besteht darauf nur aus drei Geierköpfen.
Albert Major.
2. Die große Glocke in Geyer.
Schon in früher Morgenstunde nach der Nacht, in welcher Kunz von Kaufungen die Prinzen geraubt hatte, begann die allgemeine Verfolgung der Räuber. Da erklang auch vom Turm der Niklaskirche zu Geyer die große Glocke, laut das geschehene Unheil kündend. Die Glocke zersprang. Urban, der Neffe von Georg Schmidt, welcher zu dieser Zeit in Geyer anwesend war, teilte bei seiner Rückkehr seinem Oheim das Ereignis mit.
»Im Walde dort wert Cunz ertapt,
Da wollt he Beeren naschen«
berichtet der uralte Berg-Reihen weiter. Der Kurfürst aber ließ später aus Dankbarkeit gegen Gott für die glückliche Errettung seiner Söhne auf seine Kosten die große Glocke in Geyer umgießen. Ungefähr in dieser Weise wird in der landläufigen Art bei der Erzählung des Prinzenraubes der Geyerschen Glocke gedacht.
Zunächst muß festgestellt werden, daß weder die Nikolaikirche, noch die bald nach dem Prinzenraub umgegossene Glocke zur Zeit noch vorhanden sind. Die große Nikolaikirche, welche östlich von der Stadt, links von der Ehrenfriedersdorferstraße – die Pflugschar durchschneidet jetzt das Land – stand, wird bereits 1491 urkundlich als nicht mehr vorhanden bezeichnet, wahrscheinlich war sie durch Brand zerstört worden. Bezüglich des Glockengusses fehlen allerdings gleichzeitige Nachrichten; auch ist in dem bekannten Manifest, welches der Kurfürst am Jakobitage (26. Juli) 1455 erließ, vom Glockenläuten nicht die Rede. Peter Albinus ist der älteste bekannte Chronist, der den Prinzenraub ausführlich erzählt, und er sagt in seiner Neuen Meißnischen Chronik (1580): »Es haben sich die Hofleute nicht gesäumet, sondern von Stund an in alle Gegenden geschickt und sind zum Teil selbst ausgeritten, den Sturmschlag in allen Städten und Dörfern angehen lassen, daß also das ganze Land rege wurde.« Albinus, als geborner Schneeberger, kannte die Gebräuche des Erzgebirges; er wird wohl nicht ohne Grund vom Sturmläuten berichtet haben.