r. Die letzte Schlacht auf sächsischem Gebiete.
Für Sachsen endigte im allgemeinen 1645 mit dem Waffenstillstande zu Kötzschenbroda die persönliche Gefahr der Einwohner, sowie Raub und Brand. Dagegen sah das sächsische Hochland noch an mehreren Orten die früheren Greuel erneuert, indem die Schweden, die in Böhmen hausten, die Flüchtlinge oft bis nach Sachsen verfolgten. Annaberg, das mit seiner Umgebung seit 1632 fort und fort alljährlich teils von kaiserlichen, teils von schwedischen Heerhaufen vielfach gelitten, hatte in dieser ganzen Zeit des Waffenstillstandes eine sächsische Besatzung. Eine Abteilung derselben traf am 15. Januar 1648 auf eine kaiserliche Streifhorde bei dem Städtchen Thum, wo sofort ein hitziges Reitergefecht entstand, weil man vergeblich die Kaiserlichen für Schweden hielt. Die Leichen der Gefallenen blieben längere Zeit liegen und davon heißt noch heute der Wiesengrund zwischen Thum und Herold »Das Elend«. Dies war der letzte Kampf des Dreißigjährigen Krieges auf sächsischem Boden. Zum Andenken daran hat man an der Straße von Thum nach Ehrenfriedersdorf im Jahre 1848 eine Spitzsäule mit Inschrift errichtet.
Nach Dr. Spieß.
s. Wie es nach dem Kriege im Gebirge aussah.
Wie es am Ende des Krieges in Sachsen und fast in jedem Orte desselben aussah, schildert ein Zeitgenosse jenes Elends in folgender ergreifenden Weise: »Ihr wisset, wie über Euch fliegende Drachen, zerreißende Bären und Löwen gekommen sind, die Eure Städte ausgebrannt, Eure Ernten, Ochsen und Schafe vor Euren Augen verzehrt, viele Tausende Bürger und Bauern zu Tode gemartert und so barbarisch gehaust haben, daß aller Menschen Sinne es nicht begreifen können. Wie jämmerlich stehen Eure Städte und Flecken; da liegen sie verbrannt, zerstört, daß weder Dach, Gesperr, Thüren oder Fenster zu sehen sind. Man wandert oft zehn Meilen und sieht nicht einen Menschen, nicht ein Vieh, nicht einen Sperling. In allen Dörfern sind die Häuser voller Leichname, Mann, Weib, Kinder, Gesinde, Pferde, Schweine, Kühe und Ochsen, neben und unter einander von Pest und Hunger erwürgt, voller Maden und Würmer und von Wölfen, Hunden und Krähen zerfressen, weil niemand ist, der sie begraben hat. Ihr wisset, wie Lebendige sich unter einander in Kellern und Winkeln zerrissen, totgeschlagen und gegessen haben; daß Eltern ihre toten Kinder, und Kinder ihre toten Eltern gegessen, daß viele um einen toten Hund oder eine Katze gebettelt und das Aas aus den Schindergruben genommen und verzehret haben.«
Zehn Jahre nach Beendigung des Krieges schrieb der Rat der Stadt Buchholz: »Dieses offene Städtlein ist bei dem verderblichen Kriegswesen durch vielfältige Einfälle, Ausplünderung, Durchzüge, Einquartierung, hohe und schwere Kriegskosten und Auflagen gänzlich verderbt und ruiniert worden, also, daß öfters in keinem Hause ein Schloß, Band, Fenster, Ofen und anderer Hausrat gelassen, sondern alles weggenommen, eingeschlagen und verbrannt, ja auch eine große Anzahl Häuser und öffentliche Gebäude ganz und gar verwüstet und eingerissen worden, sodaß sie noch jetzt öde und wüste liegen.«
Auch sind im Dreißigjährigen Kriege im Erzgebirge manche Orte von Grund aus zerstört worden und als wüste Marken liegen geblieben. Westlich vom Morgenberge bei Neudorf an der Sehma kamen die Waldarbeiter nach einem Orte im Walde, wo früher ein Dorf mit Namen Eibendorf gestanden hat, das in jener Zeit zerstört worden sein soll. Ein nach Frankenstein gepfarrtes Dorf Ailitz soll vor dem Kriege zwischen Frankenstein, Memmendorf und Hartha gestanden haben. Ebenso bezeichnet man unterhalb Wingendorf eine Stelle am Kemnitzbache als diejenige, wo das Dorf Kuhren zerstört worden ist. Zwischen dem Städtchen Bärenstein und den Dörfern Falkenhain und Jahnsbach lag einst das Dorf Greifenbach. Ebenso liegt zwischen Bärenstein und Börnichen die Wüstung des Dorfes Elend.
Nach dem Dreißigjährigen Kriege trieben sich in den Wäldern, wie anderwärts so auch in Scharfenstein Räuber und Wildschützen umher, welche entlassene Söldlinge waren, denen das wüste Leben nun Gewohnheit war. Ein Herr von Einsiedel, welchem Scharfenstein gehörte, beschloß, den Wildschützen mit aller Macht nachzugehen, um sein Gebiet von ihnen zu säubern. Es gelang ihm endlich, zwei derselben gefangen zu nehmen. Es gab damals noch eine furchtbare Strafe für die auf der That ertappten Wilddiebe: das Hirschreiten. Der Schloßherr hatte einen starken, lebenden Hirsch einfangen lassen. Die Diebe sollten auf ihn gebunden werden. Das war einem zehnfachen Tode gleich zu achten. Man hatte Beispiele, daß nach Tagen und Wochen die geängstigten Tiere ihre schreckliche Last zerfleischt und doch noch lebend mit sich herumschleppten. Die Missethäter flehten da inständig um Gnade. Die soll ihnen gewährt worden sein, weil sie versprochen haben, in drei Tagen und Nächten einen Stollen durch die Felsenrippe am Fuße des Schloßberges zu treiben, damit das Zschopauwasser mit viel Fall eine Mühle treiben könne.
Nach Holzhaus, Dr. Spieß und Dr. Köhler.