Ausschuß des Erzgebirgischen Kreises zur Landes-Bewaffnung.«
2. Die Einrichtung des Banners.
Das sächsische Banner sollte aus 5 Schwadronen Reiterei, 2 Regimentern Jäger, 1 Kompanie Sappeurs und aus einem verhältnismäßigen Artilleriekorps bestehen. Die Mitglieder des Banners erhielten den Rang eines Gefreiten, Befreiung von körperlicher Züchtigung und wurden mit »Sie« angeredet. Wer aus bürgerlichem Dienste in das Banner trat, behielt sein Amt und die Einkünfte desselben. Nach Beendigung des Krieges konnte jedes Banner in seine vorigen Verhältnisse zurücktreten. Jeder, der den Feldzug mitgemacht hatte, sollte bei seiner Beförderung im Dienste berücksichtigt werden. Die Freiwilligen des Banners mußten sich selbst kleiden, beritten machen und womöglich auch bewaffnen. Anfang Dezember war die Anzahl der Freiwilligen bereits auf 1500 gestiegen. Die angesehensten Männer traten in die Reihen der Gemeinen. Einer der ersten Freiwilligen war der Professor Krug in Leipzig, der das Jahr zuvor Rektor Magnifikus gewesen war. Ebenso folgte der Professor Dr. Tzschirner in Leipzig als Feldprobst.
Aus Schwarzenberg und dem Hammerwerke Erla traten 17 junge Männer zum Banner.
Aller Orten und Enden wurden zahllose Scharen von Rekruten geübt, um geschickt zu werden, an der feierlichst verkündigten und versprochenen Freiheit des deutschen Vaterlandes mit aller Macht kämpfen und arbeiten zu helfen. Das Erzgebirge blieb nicht zurück. Mehrere Abteilungen Landwehr bildeten sich auf den Bergen und in den Thälern desselben. Auch das Banner erhielt manchen Gebirger in seinen stattlichen Reihen. Das erste Bataillon des Banners empfing sogar eine Fahne von Schneeberg.
Nach Karl Lehmann.
47. Die Pest im Erzgebirge.
1. Wie die Pest in Annaberg auftritt.
Zu den Drangsalen durch den Feind gesellten sich die Verheerungen, welche die Pest über das ganze obere Gebirge brachte. Sie wütete besonders im August und September 1633 in Annaberg, Marienberg, Zöblitz, Altenberg, Zwickau und Umgegend. Annaberg hatte eine Menge der wegen Kriegsdrangsale flüchtigen Landleute nur eben aufgenommen, als fast gleichzeitig die Pest ihren grauenhaften Einzug hielt und in kürzester Zeit die meisten unglücklichen Flüchtlinge tötete. Ebenso wurden viele Bewohner der Stadt selbst von der Seuche erfaßt. Im August gab es in 140 Häusern Pestkranke. Es sind deshalb manchen Sonntag 385 Abendmahlsgäste in der Kirche gewesen, um noch Trost vor dem nahenden Tode zu suchen. Auch die meisten Schüler der Lateinschule wurden dahingerafft, daß nur wenige, wie schon 1521, übrig blieben. General Holck starb auch 1633 zu Adorf an der Pest. Die an der ansteckenden Krankheit Verstorbenen, deren Särge man nicht durch die Gottesackerkirche trug, schaffte man durch das von der Geyersdorfer Straße unmittelbar hineinführende Thor. Es erhielt davon den Namen »Pestthor«.
Nach Arnold u. a.