Im Jahre 1620 regierte die Pest zu Gottesgab, davon der Ort halb ausstarb. Der Totengräber kam in Verdacht, er habe die Seuche mit bösen Mitteln verursacht. Hans Leonhard, ein verwegener Mühlknecht, der eben aus dem Kriege gekommen, wagte sich hinein in des Totengräbers Häuslein und fand einen Totenkopf über dem Ofen hängen. Darüber hat er sich erbost und den Totengräber samt seinem Weibe krumm und lahm gehauen. Er holt Feuer und brennt das Spital gar weg. Aus dem sind zwar die tödlich Geschlagenen gekrochen. Aber dennoch sind sie an ihren Wunden gestorben.
Im Jahre 1630 hatte eine gewisse Pittelin zu Abertham, einem früher durch seinen Käse berühmten Dorfe, die Pest durch Zaubermittel vermehren helfen. Wie sie in der Marter bekannte, hat sie eine Bürste neben eine Leiche ins Grab geworfen, welche dann auf ihren Rat wieder herausgenommen werden mußte, denn sonst würde nach ihrer Aussage ganz Abertham aussterben. Schon 263 Personen waren gestorben. Es hat sich mit der Bürste auch also befunden und wurde diese Pestzauberin am 18. November in Joachimsthal an einem Pfahl mit dem Strange erwürgt, die Tochter von 13 Jahren enthauptet, beide Körper verbrannt und der Sohn des Landes verwiesen.
Nach Dr. Gräße.
5. Die letzte Pest im Erzgebirge.
Pestopfer waren an Zahl 1582 in Großrückerswalde 51, 1585 in Schwarzenberg 54, 1586 in Geyersdorf 86, in Kleinrückerswalde 61, 1607 in Aue 73, in Wiesenthal 50, in Joachimsthal 204, 1613 in Wiesa 133, 1625 in Zöblitz 323, 1626 in Gottesgab 178, in Breitenbrunn 81, in Schwarzenberg 205, 1633 in Joachimsthal 800, in Breitenbrunn 145, in Marienberg 117, 1634 in Wiesa 145, 1636 in Gottesgab 107, 1637 in Schwarzenberg 262, in Bernsgrün 52, in Lengefeld 80, 1639 in Gottesgab 114, in Fernrückerswalde 205, in Cranzahl von 1582 bis 1640 auf 200.
1679 wütete in Wien die Pest. Von da aus verbreitete sie sich auch nach Prag und schritt dann über die Grenze nach Sachsen.
Am 24. Oktober 1679 wurde ein »Fast-, Bet- und Bußtag um pestilenzialischer Krankheiten« feierlich begangen. Furchtbar trat der Würgengel im Erzgebirge auf. In Freiberg sollen 1200 Menschen dahingestorben sein.
1680 zeigte sich der erste Pestfall in Marienberg, ihm folgten 554 Personen. In Wolkenstein fielen der Krankheit viele zum Opfer. Annaberg, Schneeberg und Chemnitz wurden abgesperrt. In Annaberg ließ man einen Spitzenhändler, welcher aus einem angesteckten Orte kam, durch den Steckenknecht oder Gerichtsdiener gleich nach seinem Eintritte aus der Stadt bringen. So erging es einem andern, der bald auf freiem Felde hilflos niederfiel und verstarb. In der Stadt trat Brotmangel ein. Die Bürger Lahl und Scheuereck setzten das eigene Leben daran, ihre Leidensgenossen durch den gefahrvollen Ankauf von Lebensmitteln vom Hungertode zu erretten. Dr. Macasius besuchte ohne Scheu die Kranken und starb bald selbst. In Marienberg starben beide Geistliche. In Rauenstein starben sieben Abendmahlsgäste. Bei Reifland nahmen die Geängstigten das Abendmahl unter freiem Himmel. An der Stelle errichtete man einen Denkstein zur Erinnerung an das letzte Pestjahr in Sachsen.
Nach Lehmann und B. Schlegel.