Du wirst mich wohl führen
In das himmlische Zelt.
Hurra! – Glückauf!

b. Die Namen der Zechen.

Was die Namen der Zechen nach ihrer Entstehung und Bedeutung anlangt, so ist zu merken, nur die wenigsten knüpfen an die ursprüngliche Benennung des Ortes an, wo sie entstanden, oder an bestimmte Eigentümlichkeiten der Zeche selbst und der bei ihrer Eröffnung maßgebenden Umstände. Die meisten erklären sich aus dem dem Bergmannsstande namentlich in früheren Jahrhunderten vor anderen eigenen frommen Glauben an die göttliche Allmacht, zum Teil auch aus seinem Aberglauben. Frommer Glaube war maßgebend bei den überaus zahlreichen Benennungen der Gruben nach Heiligen und anderem, der Aberglaube in Namen wie Wilder Mann, Wilde Frau, Einhorn, Löwe, Wolf, Rabe, Molch, Hase, Goldner Esel. Riesen und Einhörnern schrieb man die Kraft zu, gewisse »Bergsäfte«, namentlich das Quecksilber, zu edlem Erze zu verdichten. Der Molch sollte seinen Winterschlaf in der Nähe geheimer Schätze halten. Wolf und Rabe galten als »weisende« Tiere. Der Hase schien als fruchtbarstes Tier von guter Vorbedeutung zu sein. Im Goldnen Esel hat man wohl gar eine Erinnerung an das Märchen vom »Eselein, streck' dich« zu erblicken.

Nach Dr. Bachmann.

c. Obererzgebirgische Bergleute in der Fremde.

Bekannt und gut beglaubigt ist die Überlieferung, daß im 12. Jahrhundert in unserem Sachsen zunächst der Freiberger Bergbau durch den Zuzug Goslaer Bergleute aus dem Harz begründet worden sei. Nach seinen ursprünglichen Bewohnern, sächsischen Bergleuten aus dem Harz, heißt heute noch ein Teil von Freiberg die »Sächsstadt«. Es steht fest, daß umgekehrt im 16. Jahrhunderte Bewohner unseres Landes, Bergleute aus dem Obererzgebirge und namentlich aus dem westlichen Teile desselben, der Gegend von Freiberg, Annaberg und Schneeberg, nach dem Oberharz gezogen sind und dort Anlaß zur Gründung namentlich der Bergstädte Andreasberg, Clausthal, Zellerfeld, Wildemann, Lautenthal und Altenau gegeben haben. Zwar war schon im 13. Jahrhundert, von Goslar aus dahin verpflanzt, auch auf dem Oberharz um das Kloster Celle her der Bergbau in Blüte gekommen, aber dieser verfiel bald wieder, wie das Kloster selbst, bis bald kaum noch eine Spur davon in dem wieder verödenden Lande sich zeigte. Erst im Zeitalter der Reformation lockten reiche Silberanbrüche in der Gegend des heutigen Andreasberg und anderswo eine bergbaulustige Bevölkerung wieder herbei, nur konnte diese nicht aus der Nähe kommen, nicht aus Goslar, das vielmehr selbst des Zuzuges bedurfte und zudem mit den im Oberharz gebietenden Fürsten verfehdet war, und nicht aus dem Mansfeldischen, sondern man mußte sie anderswo suchen. Daß man sich zu diesem Zweck nach dem Erzgebirge gewendet, daß von dort her die ohnedies stets wanderlustigen und auf jedes »neue Geschrei« hin leicht beweglichen Bergknappen zugeströmt seien, das wird, soweit es nicht urkundlich bezeugt ist, durch folgendes bewiesen.

Zunächst handelte es sich bei der Errichtung des neuen Bergwerks auf dem Oberharz um Stollenbau, auf welchen sich damals eigentlich nur »Meißnische Bergleute« aus dem oberen Gebirge, die deshalb auch in aller Welt gesucht waren, verstanden. Die Chroniken von Freiberg, Schneeberg, Annaberg etc. wissen zu erzählen, wie Bergleute aus diesen Gegenden nach allen Teilen Europas gekommen seien und dorthin ihr Bergrecht mitgebracht hätten, ja selbst in Calcutta, im fernen Indien, finden wir solche und kaum 40 Jahre nach der Entdeckung Amerikas im Dienste der Welser auf dem fernen San Domingo. Die Sendung einzelner hervorragender Bergverständiger, Bergmeister etc. aus dem Erzgebirge nach dem Harz wird ausdrücklich bezeugt, und es versteht sich ganz von selbst, daß diese nicht allein kamen, sondern zur Ausführung der ihnen übertragenen Arbeiten Bergleute in größerer Zahl mit sich führten. Diese ließen dann wieder, wie es heute noch Sitte der Auswanderer ist, dafern es ihnen anders in der neuen Heimat gefiel und daselbst wohlging, ihre Angehörigen und Freunde nachkommen, und so entstand in dem Jahrhundert von 1520–1620 etwa eine größere Kolonie von aus dem Meißnischen eingewanderten Bewohnern und damit eine Sprachinsel mit oberdeutscher Mundart mitten in dem sonst niederdeutsch sprechenden Gebiet. Diese oberdeutsche Mundart aber ist die des Erzgebirges, und zwar des westlichen Teiles desselben, und das ist der Hauptbeweis für die Herkunft der ursprünglichen Bewohner jener Harzstädte aus unserem Erzgebirge.

Es ist zu bemerken, daß die Ähnlichkeit des Oberharzischen und Obererzgebirgischen in der That ganz außerordentlich groß und gemeinsame Abstammung unabweisbar ist.

Ferner ist bemerkenswert das überaus häufige Vorkommen derselben Grubennamen im Oberharz und Erzgebirge und daß mindestens die große Hälfte der im Oberharz vorkommenden Namen den älteren Bergwerken des Erzgebirges entnommen ist. Da es sich bei der Namengebung namentlich auch um solche von guter Vorbedeutung handelte, so sind Namen besondere häufig, die als Benennungen solcher Zechen, welche im Erzgebirge reiche Ausbeute gebracht hatten, bekannt waren, wie z. B. der Name der stolzesten Schneeberger Zeche, »St. Georg«, deren ausgebrachtes Silber auf 40 Tonnen Goldes, d. i. 4 000 000 Thaler, geschätzt wurde, auch im Harz vorkommt, ebenso die »St. Anna«, die in Schneeberg schon 1478 gewaltig »schüttete« und 1528 von allen Gruben die größte Ausbeute gab.