„Für mich ist es nun schon zu spät,“ denkt Erdme. „Ich muß warten, bis ich Töchter kriege.“ — — —
Weiter links liegt ein Anwesen, das, wenn es auch schon älter scheint, doch noch zur Nachbarschaft gehört. Es macht aus der Ferne gesehen einen recht kläglichen Eindruck, und gerade darum möchte Erdme es kennen lernen, denn sie will wissen, wie man sich hier behelfen muß, wenn man ganz arm bleibt. Gleichsam als abschreckendes Beispiel will sie es kennen lernen.
Aber der fromme Taruttis hat daran vorbei gezeigt, und als sie ihn am Mittag noch einmal fragt, da wendet er sich ab und macht sich mit dem Sensenschärfer zu schaffen, obwohl es hier nichts zu mähen gibt.
So fragt sie also zum drittenmal. Da sagt er: „Über meine Nächsten rede ich nichts Böses, und wenn ich Böses reden müßte, so schweige ich lieber.“
Sie nimmt sich vor, die Ulele zu fragen, aber als sie gegen den Abend desselben Tages wieder in den Kartoffeln kniet, wird sie vom Wege aus angerufen.
Sie sieht einen kleinen, alten Mann im Graben sitzen, der einen Arm voll Weidenruten neben sich liegen hat und einer gerade mit dem Taschenmesser die Haut abzieht.
„Was willst du von mir?“ fragt sie, ohne sich stören zu lassen.
„Du bittest dir wohl heut eine Talka zusammen?“ ruft er herüber.
„Das kann schon sein,“ sagt sie. „Arme zum Helfen kann man immer brauchen.“
„Zwei Arme hab’ ich auch,“ sagt er.