Der große Smailus dagegen streicht seinen rundbogigen Schnurrbart, sieht kühn in die Weite und berichtet jedem, der es längst weiß, dies sei nun schon seine Dritte. Und hernach, wie er betrunken ist, setzt er hinzu, wenn daraus eine Vierte und Fünfte würde, ihm wäre es ganz recht. Aber da hat ihn die Ulele bald beiseite geschafft.
Abends spät, wie viele der Gäste schon weg sind und die verlassene junge Frau aus dem Brautwinkel mit großen Augen zur Tür sieht, als möchte sie rasch wieder anspannen lassen, da nimmt die kleine Ulele die Erdme beiseite und sagt: „Ich wollte eigentlich jetzt gleich nach der Stadt, um das Nähen und die Putzmacherei zu erlernen, denn das muß immer das erste sein, weil man zugleich die Abendschule besuchen kann. Aber ich seh’ ein, ich kann die Stiefmutter, bis sie ein Kindchen hat, nicht ganz allein lassen. Darum will ich fürs erste in Heydekrug bleiben. Von dort wutsch’ ich des Abends manchmal herüber und red’ ihr gut zu. Dich, Erdme, aber bitt’ ich, daß du oft um sie bist. Der Vater meint es nicht schlecht, aber sein Wesen könnt’ sie verschrecken.“
Und die Erdme verspricht es und denkt: „Zusammen mit der kranken Witkuhn sind es schon zwei. Die Katrike noch gar nicht gerechnet.“
Dann setzt sie sich auch gleich neben die junge Frau und erzählt, wie verzagt sie einmal gewesen ist, als sie aufs Moor hat hinausziehen sollen, und wie sie jetzt gar nicht mehr weg möchte.
Und die junge Frau meint traurig: „Aber deiner war jung und war auch kein Witmann.“
Dagegen läßt sich nichts sagen. Darum küßt sie sie bloß und hält ihr die Hände. Und langsam beruhigt sie sich und ißt von dem dickbezuckerten Fladen.
Der Witkuhn ist auch da — ohne die Frau —, aber er spricht die Erdme nicht an. Sie muß selbst auf ihn zugehen und ihn an frühere Zeiten erinnern.
„Es war doch so hübsch, Nachbar,“ sagt sie, „darum komm nur immer herüber. Was nicht sein soll, das hab’ ich vergessen.“
Er sagt: „Du bist gut gegen die kranke Frau und darum auch gut gegen mich. Ich bete für dich am Morgen und Abend, aber kommen — das kann ich nicht.“
Sie ärgert sich, daß es nicht nach ihrem Willen gehen soll, und nimmt sich vor, ihn nächstens kirre zu kriegen.