„Zwei Mundvoll mehr wären gut,“ sagt der Ansas halb abgewandt zu ihr herüber, „denn wenn der Gegenstrom auch schwach ist, der Kahn merkt ihn doch.“

Sie denkt bloß: „Ich möchte nach Minge.“ Aber Minge liegt längst weit im Rücken. Denn drüben ist schon Kuwertshof, das einsam zwischen Wasserläufen gelegene Wiesengut, von dem die Leute sagen, daß, wer darauf wohnen will, sich Schwimmhäute anschaffen muß, sonst kann er nicht vor und nicht zurück.

„Auch ich kann nicht vor und nicht zurück,“ denkt sie, „und muß stillhalten, wie er es bestimmt.“

Nun macht der Strom den großen Ellbogen nach Süden hin, und die Segel schlagen zur Seite, so daß sie ihn mit seinem ganzen Körper sehen kann. Sie sitzt auf der Paragge, dem Abschlag vorn an der Spitze, und er hinten am Steuer. Der Mast steht zwischen ihnen.

Ihr ist, als will er sich vor ihren Blicken verstecken. Er rückt nach rechts, er rückt nach links, aber es hilft ihm nichts.

„Du armer Mann,“ denkt sie, „ich möchte nicht an deiner Stelle sein.“ Und sie lächelt ihn traurig an, so leid tut er ihr.

Auf der rechten Seite kommt nun Ruß, der große Herrenort, in dem so viel getrunken wird wie nirgends auf der Welt. Vor dem Rußner Wasserpunsch fürchten sich ja selbst die Herren von der Regierung.

Zuerst mit den vielen Flößen davor der Anckersche Holzplatz und eine Sägemühle und dann noch eine und noch eine.

Die Dzimken, die Flößer, die mit den Hölzern stromab aus Rußland kommen, sitzen in ihren langen, grauen Hemden auf der Floßkante und baden sich die Füße. Hinter ihnen rauchen die Kessel zum Frühstücksbrot.

„Er wird mir wohl Gift ’reintun,“ denkt sie. Aber noch hat sie das mitgebrachte Essen in ihrer Hand, und was Anderes wird sie nicht zu sich nehmen.