Der Jurris stellte den Topf in den Schatten, und als er in die Stube trat, was sah er da?
Der große Tisch war mit einem weißen Handtuch bedeckt. Darauf standen zwei brennende Lichter, und zwischen ihnen lag das Gesangbuch.
Der Alte war barhaupt und hatte die Schlorren nicht an und sah furchtsam und heimlich aus.
„Nimm deine Mütze ab,“ sagte er.
Der Jurris tat verwundert, wie ihm geheißen war.
Und der Vater fuhr fort: „Als die Marinke ins Haus kommen sollte, sagte ich zu dir: kennen lernen müssen sich die Menschen, die beieinander bleiben wollen ein Leben lang. Aber erst verlangte ich von dir das Versprechen, daß du ihr nicht zu nahe kommen wollest, solange die Hand des Pfarrers nicht auf eurem Kopfe gelegen hat. Und das gabst du mir auch.“
„Ich wußte nicht, wie das ist, Vater,“ fiel ihm der Jurris ins Wort, „wenn die Braut einem so dicht nebenbei wohnt.“
„Und die Herren vom Gericht wissen es noch viel weniger,“ gab der Vater zur Antwort, „denn es sind Deutsche. Und die Deutschen haben von Gott eine andere Vernunft bekommen als wir. So hat es sich vor etlicher Zeit auf dem Tilsiter Schwurgericht zugetragen, daß ein alter, ehrbarer Besitzer, der sein Lebtag nicht um Haaresbreite vom Pfade der Tugend gewichen war, ein Jahr Zuchthaus — nicht Gefängnis, mein Sohn, sondern Zuchthaus — gekriegt hat, weil sein Sohn und die Braut, die auch auf Prob’ war, genau wie die Marinke, unter seinem Dache zusammen geschlafen haben. Er hat geweint und geschworen, es sei alles in Ehren geschehen, denn im Herbst sollt’ ja die Hochzeit sein, und zu der Aust könnt’ man zwei fleißige Händ’ nicht entbehren; aber unbarmherzig, wie die Deutschen sind, haben sie dem alten Mann die Ehre genommen und haben ihn eingesperrt zusammen mit Räubern und Mördern.“
„Das kann nicht sein!“ rief der Jurris voll Empörung. „Das wär’ ja die schlimmste Gewalttat!“
„Die Deutschen nennen’s Gerechtigkeit,“ sagte der Vater, „und unter einander strafen sie sich genau so. Nun möchte ich aber auf meine alten Tage nicht auch in das Scheuchhaus kommen, denn Aufpasser gibt es ja überall. Und weil ich gestern abend gesehen habe, daß es so weit mit euch ist, weiß ich nur zwei Wege, mich vor Angst und Unglück zu retten: entweder ich schick’ sie solang’ zu den Eltern zurück —“