Da sagte die Marinke: „Gestern vor vierzehn Tagen war des Jurris’ Todestag, und heute wird mein Todestag, wenn du das tust, so wahr ich dein Weib bin.“

Der Jozup wußte nun, daß in dieser Sache ihr Sinn unveränderlich war und daß er nie und nimmermehr daran würde rühren dürfen. Darum sagte er: „Ich werde nachsinnen, ob es ein anderes Mittel gibt.“

Und die Marinke sagte: „Du kannst nachsinnen, soviel du willst. Ein anderes Mittel, als daß sie aus dem Hause geht oder ich, wirst du nicht finden.“

Der Jozup lief in der Stube umher und schrie: „Sie hat mich vorgezogen, seit ich im Kinderkleid war — sie hat die Brüder hinausgejagt, damit ich hier Herr bin. Verlange du nicht zu viel von mir!“

Und die Marinke erwiderte: „Ich verlange ja nichts.“

An demselben Morgen ging er in die Altsitzerstube und blieb dort länger als eine Stunde. Und das Ende war, daß gegen Mittag die Alte herauskam, das Gesicht wie behonigt, und zu der Marinke sagte: „Setze meinen Teller auch auf den Tisch, liebe Tochter. Damit Friede wird, will ich fortan mit euch zusammen essen.“

Aber die Marinke traute ihr nicht, und als die Alte den Kleinen ihren „Putytis“, ihr Hähnchen, nannte und ihn gar auf den Arm nehmen wollte, zog sie ihn rasch auf die Seite.

Von diesem Tage an war die Wilkene wie umgewandelt, und niemand konnte wissen, wodurch es geschehen war.

Die Mutter Enskys aber, die alle Freitagabend im Erlengebüsch auf Marinke lauerte — — denn so war es jüngst ausgemacht worden —, sagte zu ihr: „Paß gut auf, daß sie nicht an den Herd kommt. Ich will mich rösten lassen wie Flachs, wenn sie nicht darauf sinnt, dich und das Kind zu vergiften.“

Die Alte aber saß allabendlich am Rande des Sumpfteichs hinter dem Roßgarten, um Fischbrut zu käschern, wie sie sagte, für die Angeln, die nächstens ausgelegt werden sollten, und in der Dunkelheit kam sie mit Kräutern beladen nach Hause, die sie niemandem zeigte.