Er wurde so rot, als müsse er an ihren Worten ersticken, und riß sich das Hemd am Halse entzwei.

„Ich habe das Versprechen getan, dich niemals zu schlagen,“ sagte er, „aber du machst es einem recht schwer.“

„Hier ist der Zettel,“ sagte sie.

Er las den Namen des alten Settegast, den jeder ehrte weit und breit, und so rot, wie er gewesen war, so blaß wurde er nun. Und dann ließ er sich alles von ihr erzählen. Auch daß die Mutter Enskys die Probe zur Apotheke getragen hatte, verschwieg sie ihm nicht. „Straf mich, wenn du willst,“ sagte sie, „aber das Kind mußt’ ich am Leben erhalten, gleichviel, wer sein Vater ist. Und das Beste wird sein, du läßt mich jetzt gehen, sonst gelingt es mir doch nicht.“

„Du und das Kind bleiben hier,“ erwiderte er.

„Gut,“ sagte sie, „dann muß deine Mutter fort, oder ich zeige sie an.“

„Du zeigst sie an?“ fragte er, als ob er nicht recht gehört hätte.

„So wahr ich ein Kind habe, ich zeige sie an.“

Da lief er hinaus, halbnackt wie er war, und kam die ganze Nacht nicht mehr wieder. Auch am nächsten Morgen war er nirgends zu sehen, erst gegen Mittag trat er mit einemmal aus der Altsitzerstube. Er zitterte am ganzen Leibe und sagte: „Ich habe mit der Mutter gesprochen. Was sie jetzt tun muß, das habe ich ihr schon damals prophezeit und habe für alle Fälle mit den Brüdern das Nötige geordnet. Sie werden die Hälfte aller Einkünfte bekommen und sie dafür in Pflege nehmen, solange sie lebt. Siehst du nun wohl, wie lieb du mir bist — du und das Kind?“

Drei Tage später fuhr die Alte ab. Sie hatte kaum einen Widerspruch zu leisten gewagt, denn sie wußte, die Anzeige drohte.