Am Morgen desselben Tages segelte in drei Mittelbooten eine Trauergesellschaft aus der Richtung von Karkeln her nordwestlich nach der Nehrung hinüber.

Es waren Männer und Frauen aus dem Kirchdorfe Nidden. Die hatten einer Niddnerin, die drüben verheiratet war und im ersten Kindbett hatte dran glauben müssen, das Geleite gegeben.

Da der junge Witwer, um die Heimgegangene zu ehren, ein großes Begräbnis ausgerichtet hatte, so war die Nacht hindurch getanzt und getrunken worden, und alle befanden sich noch in der heitersten Stimmung.

In dem ersten der Boote saßen die Eltern der Toten. Die freilich verhielten sich ruhig, aber sie freuten sich doch, daß die anderen so lustig waren, denn nun konnten sie sicher sein, daß man ihres Kindes lange und gern gedenken würde.

Ihre Aufmerksamkeit galt vor allem einem länglichen Bündel, das die Alte vorsichtig in den Armen wog, während ihr Mann achtgab, daß die untere Kante des schlagenden Segels in guter Entfernung darüber hinstrich.

In diesem Bündel barg sich die Hinterlassenschaft ihres Kindes, der Säugling, den sie mit sich genommen hatten, um ihn dem Schwiegersohn aufzuziehen. Drüben bei ihm war Muttermilch nirgends zu finden gewesen, aber ob sie sie eher in Nidden verschaffen konnten, war sehr zu bezweifeln.

Vorläufig sog das Kleine mit Inbrunst an dem Lutschpfropfen, in dem gekaute Semmelkrume mit geriebenem Zucker gemischt war, und wenn es zu schreien begann, bekam es Fenchelwasser zu trinken, wovon man auch nicht sehr satt wird. Und da es die Kuhmilch noch nicht vertrug, so lag die Gefahr nicht sehr fern, daß es kurzerhand in die Ewigkeit zurückreisen würde, aus der es eben gekommen war.

Aber die andern scherten sich wenig um solche Großmuttersorgen. Sie lachten und sangen, und wenn es still wurde, kreiste zur Wiederbelebung die Flasche.

Da bemerkte einer, daß von Nordosten her mit der Richtung des Windes ein leerer Kahn auf sie zutrieb.

Leere Kähne zu treffen bringt Glück, und darum wollte der Steuerer im vordersten Boote halbkehrt machen, um sich die Beute zu sichern. Aber die anderen, die hinter ihm fuhren, riefen ihm zu, er möge das lassen; der Kahn würde in einer halben Stunde von selber am Ufer der Nehrung erscheinen und wäre dann leichter zu bergen als jetzt.