»Es sind ja meine Landsleute«, gab ich zur Antwort.
»Bah«, machte sie, »ich habe in Freiburg Ihre Landsleute kennen gelernt; es ist ein wildes Land, und seine Bewohner sind Wilde. Nur Baden-Baden ist ein Paradies, und nur die Königin Hortense und die Großherzogin sind gens de qualité – warum? Weil sie nicht aus diesem barbarischen Lande stammen, in dem der Adel ein Französisch spricht, das für das Ohr einer Französin horrible ist. Überhaupt, außer Frankreich, einem Stückchen von Italien und Baden-Baden ist die ganze Welt abominable.«
»Sehen Sie, diese Wilden«, unterbrach sie sich, als wir viehtreibenden Landsleuten begegneten.
»Tragen bei Ihnen, Madame, die Viehtreiber Glacéhandschuhe?« fragte ich und nahm, da sie nicht gleich eine Antwort bereit hatte, ein Buch aus dem Ridikül.
Nun rückte sie hin und her, stellte immerzu Fragen an den armen Fecht- und Tanzlehrer, schrie das junge Kerlchen an, das aber friedlich wie in seinem Bett schlief, und ließ endlich, nur um mich vom Lesen abzubringen, den ganzen Inhalt ihres Ridiküls auf den Boden fallen. Der Fecht- und Tanzmeister war glücklich, ihr alles aufheben zu dürfen. Ich rührte mich nicht.
In Dinglingen machten wir Mittag. Ich bestellte mir Suppe und ein Stückchen Kalbfleisch.
Die Marquisin rümpfte die Nase:
»Echt deutsch, sich schon um Mittag den Magen zu füllen« – und bestellte sich Eier.
Mir gegenüber am Tisch saß der Tanzlehrer.