Abb. 80. Schloß Friedrichsruh. Zimmer im Erdgeschoß.

Abb. 81. Das Mausoleum des Fürsten Bismarck in Friedrichsruh.
(Nach einer Photographie von H. Breuer in Hamburg.)

Einen nicht minder guten Einblick in das Tierleben des Wattenmeeres gewährt uns ein zur Ebbezeit von List nach Kampen oder umgekehrt unternommener Spaziergang. Da liegen leere Gehäuse des Wellhorns, dort ein wabenpäckchenartiges Gebilde, die leeren Eischalen dieser Schnecke (Buccinum undatum, L.). Hier hat ein seltsames Tier, der Einsiedlerkrebs (Pagurus Bernhardus, L.), seinen nackten Hinterleib zum Schutze in ein leeres Wellhorn gesteckt. In den von der Flut zurückgelassenen Wassertümpeln wimmelt es von kleinen Nordseekrabben (Crangon vulgaris, L.), welche die Watten bevölkern und hier in Menge gefangen werden, dichte Haufen von Muscheln aller Art, so Cardium, Pecten, und vor allem die Mießmuschel (Mytilus edulis) haben die Wellen auf dem Lande aufgetürmt und dazwischen lagern zahllose Leichen von Quallen, welchen der Rückzug des Wassers das Leben gekostet hat. Hier und da trifft man auch auf Fische, die sich nicht rechtzeitig mit den Wellen auf und davon gemacht haben, und häufig auf leere Austernschalen, welche die Wogen von den im Wattenmeere vorhandenen Austernbänken losspülten. Die Befischung dieser letzteren hat in vergangenen Zeiten den Bewohnern des Wattenmeeres reichen Erwerb gebracht. Seit 1587 hatte Friedrich II. von Dänemark ihre Ausbeutung als ein Recht der Krone in Anspruch genommen und vom 1. September bis zum Mai wurde der Fang dieses Schaltieres betrieben. Im Jahre 1746 betrug die von den Pächtern des Fangrechtes zu erlegende Summe noch 2000 Thaler, im Jahre 1879 mußten Hamburger Herren 163000 Mark dafür zahlen.

Abb. 82. Rathaus in Altona.
(Nach einer Photographie von M. Kruse in Altona-Ottensen.)

Abb. 83. Altona. Palmaille mit Blücherdenkmal.
(Nach einer Photographie von M. Kruse in Altona-Ottensen.)

Die Austernbänke.

Die Austernbänke, deren es in Sylt etwa elf gibt, liegen am Rande der tiefen Rinnen des Wattenmeeres, ihre Ergiebigkeit ist aber allmählich immer geringer und geringer geworden, indem man dieselben zweifelsohne zu stark ausgebeutet hat. So ist denn im letzten Jahrzehnt ihre Befischung ganz und gar eingestellt worden. Doch sorgen die Austernzuchtanstalten bei Husum einigermaßen für Ersatz dieses Leckerbissens, den schon anno 1565 der ehrsame Johannes Petrejus, Pastor zu Odenbüll auf Nordstrand, „vor ein Fürsten Essen geachtet“. Allerdings ist auch hier die Nachfrage größer, als die Produktion, und meist sind schon im Januar keine Husumer Austern mehr zu haben. Noch im Anfang des neunzehnten Jahrhunderts kosteten 1000 Stück Austern an der Westküste Schleswig-Holsteins eine Mark, in den letzten Fangjahren war der Preis schon auf 40–50 Mk. gestiegen und dürfte in Zukunft ein beträchtlich höherer werden, falls der Austernfang hier wieder aufblühen sollte. Im Dezember des verflossenen Jahres galten 100 Stück Husumer Austern an Ort und Stelle 18 Mk.