Die Kleine reckte sich auf den Zehen in die Höhe und konnte eine Menge von geputzten Frauen sehen, die sich zu beiden Seiten der Marmorarkade drängten, aus der der Kaiser kommen mußte.
»Da siehst du, Vater, wir sind zu spät gegangen.«
Sie schmollte ärgerlich – ein Zeichen, wie viel ihr daran gelegen war, diese Parade mitanzusehen.
»Nun, Julie, so gehen wir wieder. Du hast es nicht gern, in solchem Gedränge zu sein.«
»Wir wollen noch bleiben, lieber Vater. Von hier aus kann ich wenigstens den Kaiser sehen. Wenn er nun in dem Feldzug den Tod fände, so habe ich ihn wenigstens einmal gesehen.«
Der Vater zitterte ein wenig, als er diese egoistischen Worte hörte; seine Tochter sprach in weinerlichem Tone.
Er sah sie an und glaubte unter den gesenkten Lidern ein paar Tränen zu bemerken, die wohl weniger aus Enttäuschung als aus einem jener ersten Schmerzen entsprangen, deren Geheimnis ein alter Vater so leicht erraten kann. Plötzlich errötete Julie und stieß einen Ruf aus, dessen Bedeutung weder die Posten noch der alte Mann verstanden. Bei diesem Schrei drehte sich ein Offizier, der von dem Hof nach der Treppe eilte, lebhaft um, schritt bis an die Arkade des Gartens, erkannte die junge Person, die im Augenblick hinter den hohen Pelzmützen der Grenadiere verschwand, und hob für sie und ihren Vater sogleich den Befehl auf, den er selbst erteilt hatte. Ohne sich um das Getümmel der eleganten Menge zu kümmern, die die Arkade belagerte, zog er das junge Mädchen, das vor Freude außer sich war, zu sich hin.
»Nun wundere ich mich nicht mehr, daß sie es so eilig hatte und so böse auf mich war. Sie hat gewußt, daß du hier Dienst hast,« sagte der alte Herr in ebenso ernsthaftem, wie spöttischem Tone zu dem Offizier.
»Herr Herzog,« antwortete der junge Mann, »wenn Sie einen guten Platz haben wollen, so dürfen wir uns nicht mit Schwatzen aufhalten. Der Kaiser liebt es nicht zu warten, und der Großmarschall hat mich eben abgesandt, ihm Meldung zu machen.«
Während er so sprach, hatte er mit einer gewissen Vertraulichkeit Juliens Arm genommen und zog sie rasch nach der Reitbahn hin mit sich fort. Julie sah mit Erstaunen eine ungeheure Menschenmenge, dichtgedrängt in dem kleinen Raum zwischen den grauen Mauern des Palastes und den mit Ketten verbundenen Prellsteinen stehen, die die große Sandfläche in der Mitte des Tuilerienhofs abgrenzten. Die Reihe von Posten, die für