»Um Mitternacht?« sagte der General.
»Ich habe ihr erlaubt, in die Oper zu gehen.«
»Sonderbar,« versetzte der Mann, indem er sich völlig entkleidete. »Mir war doch so, als hätte ich sie die Treppe hinaufgehen sehen.«
»Dann ist sie ohne Zweifel zurückgekehrt,« sagte Julie und tat, als sei sie dieses Gesprächs nun überdrüssig.
Um keinen Verdacht bei ihrem Gatten zu erwecken, zog die Marquise dann die Klingel, doch ganz schwach.
Die Ereignisse dieser Nacht sind nicht vollauf bekannt geworden; aber alle mußten ebenso einfach, doch auch ebenso entsetzlich gewesen sein – wie es die gewöhnlichen häuslichen Vorfälle sind, die vorangegangen waren. Am folgenden Tage legte die Marquise d'Aiglemont sich auf mehrere Tage ins Bett.
»Was ist denn nur Außergewöhnliches bei dir geschehen, daß alle Welt von deiner Frau spricht?« fragte Herr de Ronquerolles Herrn d'Aiglemont ein paar Tage nach dieser an Katastrophen reichen Nacht.
»Glaube mir, bleib Junggeselle,« antwortete d'Aiglemont. »Helenens Bett hat Feuer gefangen; meine Frau ist darüber fast zu Tode erschrocken, daß sie nun wieder auf ein Jahr krank ist, wie der Arzt sagt. Heiratest du eine hübsche Frau, so wird sie häßlich; heiratest du eine Frau in blühender Gesundheit, so wird sie kränklich. Du hältst sie für leidenschaftlich – sie ist aber kalt. Oder aber sie ist, wenn auch äußerlich kalt, doch so leidenschaftlich, daß sie dich umbringt oder dir Schande macht. Bald wird das sanfteste Geschöpf eine Kratzbürste – na, und eine
Kratzbürste wird nie wieder weich. Bald entfaltet das Kind, das du für schwach und einfältig gehalten hast, dir gegenüber eine eiserne Willenskraft, einen dämonischen Geist. Ich habe die Ehe satt.«
»Oder die Frau.«