und Kavallerie. Diese sollten unter dem Triumphbogen hindurch, der die Mitte des Gitters schmückte, und auf dessen First zu jener Zeit die prachtvollen Rosse Venedigs standen, in Parade vorbeimarschieren.
Die Musik der Regimenter, die vor den Galerien des Louvre aufgestellt war, konnte man nicht sehen, weil die polnischen Ulanen davor standen. Ein großer Teil der Sandfläche war leer geblieben, wie eine Arena, die für die Bewegungen der in tiefem Schweigen dastehenden Korps hergerichtet war. Von diesen mit der Symmetrie militärischer Kunst aufgestellten Massen blitzten die Sonnenstrahlen im dreieckigen Feuer von zehntausend Bajonetten zurück. Die Luft bewegte die Federbüsche der Soldaten und ließ sie wallen wie die Bäume eines Waldes, die ein Sturmwind beugt. Bei der Verschiedenheit der Uniformen, der Aufschläge, der Waffen und Achselschnüre boten diese alten, stummen und eindrucksvollen Scharen dem Auge tausend Farbengegensätze.
Dieses gewaltige Gemälde – das Miniaturbild eines Schlachtfeldes vor Beginn des Kampfes – ein Gemälde von großer Buntheit und seltsam wechselnden Gruppen, erhielt in den hohen, majestätischen Gebäuden, an deren Regungslosigkeit die Führer und Soldaten sich ein Beispiel zu nehmen schienen, einen poetischen Rahmen. Der Zuschauer verglich unwillkürlich diese Mauern von Menschen mit jenen Mauern von Stein. Die Frühlingssonne, die ihr Licht verschwenderisch auf die weißen, vor alter Zeit gebauten Wände und die Jahrhunderte alten Mauern warf, beleuchtete voll die zahllosen, schwarzbraunen Gesichter, die alle von bestandenen Gefahren erzählten und ernst den kommenden Gefahren entgegensahen.
Nur die Obersten eines jeden Regiments schritten vor den Fronten, die diese heldenhaften Männer bildeten, auf und ab. Hinter den von Silber, Azur, Purpur und Gold funkelnden Truppenmassen konnten die Neugierigen die mit dreifarbigen Fähnchen geschmückten Lanzen von sechs unermüdlichen polnischen Ulanen sehen, die, gleich den Hunden, die eine Herde über das Feld treiben, unaufhörlich zwischen den Truppen und den Neugierigen hin und her galoppierten, um zu verhindern, daß die Leute den kleinen Zwischenraum überschritten, den man ihnen neben dem kaiserlichen Gitter eingeräumt hatte.
Wenn dieses Hin und Her nicht gewesen wäre, hätte man glauben können, man befände sich im Palast der schönen Fee, im verzauberten Walde. Das Frühlingslüftchen, das über die Mützen der Grenadiere hinwehte und die hohen Federbüsche bewegte, brachte allein ein wenig Leben in die Regungslosigkeit der Soldaten – und das dumpfe Murmeln der Menge allein unterbrach die Stille. Nur hin und wieder klang der Ton eines Halbmondes, oder aus Versehen geschah ein leichter Schlag gegen die Kesselpauke, um im Echo vom kaiserlichen Palast zurückzuhallen – das waren die einzigen Laute, die an jenes ferne Donnern erinnerten, das einem Gewitter vorausgeht.
Eine unbeschreibliche Begeisterung tat sich in dem Harren der Menge kund. Am Vorabend eines Feldzugs, dessen Gefahren der geringste Bürger erkannte, wollte Frankreich Napoleon Lebewohl sagen. Diesmal handelte es sich für das französische Kaisertum um Sein oder Nichtsein. Dieser Gedanke schien in gleichem Maße die städtische Bevölkerung und die soldatische Bevölkerung zu erfüllen, und sie drängten sich in einmütigem Schweigen
in der Einfriedigung, über der Napoleons Adler und Genius schwebten.
Die Soldaten, Frankreichs Hoffnung – die Soldaten, sein letzter Blutstropfen, waren für die Mehrzahl der Zuschauer ebenfalls ein Gegenstand heftiger Besorgnis. Zwischen einem großen Teile der Herumstehenden und des Militärs war dies vielleicht ein Abschied auf ewig; aber alle Herzen, selbst die, die dem Kaiser durchaus feindlich gesinnt waren, sandten heiße Gebete zum Himmel um den Ruhm des Vaterlandes. Diejenigen, die des zwischen Europa und Frankreich entbrannten Kampfes überdrüssig waren, hatten alle beim Durchgang unter dem Triumphbogen ihres Hasses vergessen und begriffen wieder, daß am Tage der Gefahr Napoleon ganz Frankreich verkörperte.
Die Schloßuhr schlug halb eins. In diesem Augenblick verstummte das Summen der Menge, und das Schweigen wurde so tief, daß man ein Kind hätte sprechen hören können. Der alte Herr und seine Tochter, die beide ganz Auge zu sein schienen, vernahmen jetzt ein Geräusch von klirrenden Sporen und rasselnden Degen, das unter dem hallenden Bogengange des Schlosses hervorklang.
Ein kleiner, ziemlich korpulenter Mann, gekleidet in grüne Uniform, weiße Hose und Reitstiefel, erschien plötzlich. Den Dreimaster, der ebenso absonderlich aussah, wie der ganze Mann, behielt er auf dem Kopfe; das breite, rote Band der Ehrenlegion floß über seine Brust, an der Seite trug er einen kleinen Degen. Aller Augen, von allen Punkten des Platzes aus, waren zu gleicher Zeit auf diesen einen Mann gerichtet. Sogleich schlugen die Tamboure den Wirbel, die beiden Musikkapellen setzten zu einem Stück ein, dessen kriegerischer Ausdruck