Bei dieser Antwort trafen ihre Blicke einander; denn der junge Mann wurde von dem süßen und zum Herzen sprechenden Tone überrascht, der eine unbestimmte Hoffnung bei ihm erweckte, und hatte daher schnell die Augen der Gräfin geprüft.

"Würden Sie es nicht als eine Verwegenheit von meiner Seite betrachten, wenn ich Sie bäte, bei dem nächsten Contretanz mit mir anzutreten?"

Eine kindliche Verlegenheit rötete die bleichen Wangen der Gräfin, wie einige Tropfen eines roten Weines sich allmählich in einem Glase klaren Wassers verbreiten und dasselbe röten.

"Aber, mein Herr … ich habe bereits einem Tänzer eine abschlägige
Antwort gegeben, einem Oberst…."

"Vielleicht dem langen Kavallerie-Oberst dort?"

"Ganz recht."

"Der ist mein Freund, befürchten Sie nichts. Ich hoffe, Sie werden mir meine Bitte gewähren."

"Ja, mein Herr…."

Der zitternde Klang ihrer wohltönenden Stimme deutete auf eine so neue und tiefe Bewegung, daß selbst das abgestumpfte Herz Martials dadurch schwankend gemacht wurde. Er fühlte sich von der Blödigkeit eines Schulknaben ergriffen. Er verlor seine Sicherheit, und sein südländisches Blut geriet in Flammen. Er wollte sprechen, allein seine Ausdrücke erschienen ihm im Vergleich zu den geistreichen und feinen Antworten der Frau von Soulanges ohne Anmut. Es war ein Glück für ihn, daß der Contretanz begann, denn als er neben seiner schönen Tänzerin stand, fühlte er sich wieder erleichert. Es gibt viele Männer, für die der Tanz eine Art weltmännischer Gewandtheit ist, und die, indem sie die Anmut ihres Körpers zu entfalten suchen, stärker auf das Herz der weiblichen Welt einzuwirken glauben, als durch ihren Geist. Der Provençale wollte ohne Zweifel in diesem Augenblick alle seine Verführungskünste entfalten, wenn man dies aus der Sorgfalt schließen darf, die er auf alle seine Bewegungen verwandte. Aus Eitelkeit hatte er seine Eroberung zu der Quadrille geführt, zu der sich die glänzendsten Damen des Salons aufgestellt hatten, während sie eine besondere Wichtigkeit darauf legten, schöner zu tanzen, als die Tänzerinnen aller anderen Quadrillen.

Während das Orchester das Vorspiel der ersten Figur beendete, empfand der Baron eine unglaubliche Befriedigung des Stolzes, als er bemerkte, daß Frau von Soulanges die schönste Tänzerin unter allen sei, die sich auf den Linien dieses glänzenden Vierecks aufgestellt hatten. Ihre Toilette überstrahlte selbst die der Frau von Vaudremont, die sich infolge eines vielleicht absichtlich gesuchten Zufalles mit dem Obersten dem Baron und der blauen Dame gegenüber gestellt hatte. Die Blicke aller Männer hafteten für einen Augenblick auf Frau von Soulanges, und ein schmeichelhaftes Gemurmel deutete darauf, daß alle Tänzer mit ihren Damen gegenwärtig von ihr sprachen. Blicke des Neides und der Bewunderung wurden mit einer solchen Lebhaftigkeit gegen die junge Dame abgeschossen, daß diese gleichsam beschämt wurde durch einen Triumph, dem sie sich gern entzogen hätte, bescheiden ihre Augen senkte, errötete und dadurch noch reizender wurde. Wenn sie ihre weißen Augenlieder aufschlug, so geschah es nur, um ihren Tänzer anzublicken, als hätte sie den Ruhm dieser Huldigungen auf ihn zurückzuführen und ihm sagen wollen, daß sie die seinigen allen anderen vorzöge. Sie legte Unschuld in ihre Koketterie oder schien sich vielmehr einem neuen Gefühl, einer kindlichen Bewunderung mit jener Aufrichtigkeit zu überlassen, die man nur in jugendlichen Herzen antrifft. Wenn sie tanzte, so konnten die Zuschauer leicht glauben, daß die Verschlingungen der launenhaften Pas, die sie auf eine reizende Weise ausführte, nur für Martial vollbracht wären, denn die luftige Sylphide wußte gleich der verständigen Kokette ihre Augen zu rechter Zeit gegen ihn zu erheben oder auch mit verstellter Bescheidenheit wieder zu senken.