Endlich trat einer der Großen des Hofes, Bileam, der Zauberer, vor den Pharao und sprach: „Dieser Traum bedeutet für ganz Mizrajim ein großes Unheil.“ Der König fragte ihn, was es denn sei. Da verkündete der Weise: „Den Kindern Israel wird ein Sohn geboren werden, der Mizrajim vernichten wird. Ich aber, mein Herr und König, will dir einen Rat geben: befiehl, daß man jeden neugeborenen Sohn unter den Kindern Israel töte; vielleicht, daß so der Traum nicht in Erfüllung geht.“
Das leuchtete dem Pharao und seinen Leuten ein, und er folgte dem Rate.
Im dritten Jahre nach Moses Geburt saß einst der Pharao zu Tische und speiste; zu seiner Rechten saß die Königin, zu seiner Linken seine Tochter Bithja und vor ihm alle Großen seines Hofes. Bei Bithja aber saß der Knabe Moses, in bunte Gewänder gekleidet. Und Moses gefiel dem Pharao, so daß dieser ihn auf den Schoß nahm. Da streckte der Knabe die Hand aus, nahm die goldene Krone vom Haupte des Pharao und setzte sich sie auf. Darüber erschrak der König und die Großen verwunderten sich. Bileam aber, der Zauberer, nahm das Wort und sprach: „Mein Herr und König, gedenke des Traumgesichtes, das du einst erblicktest und das dein Knecht dir deutete! Ist nicht dies eines von den hebräischen Kindern? Der Geist Gottes steckt in ihm und aus seiner Weisheit handelt er; er ist es, der Mizrajim vernichten wird! Gib schleunigst Befehl, ihm das Haupt abzuschlagen!“
Der Pharao fand den Rat gut. Da entsandte Gott den Engel Gabriel; der nahm die Gestalt des Jithro, eines der Großen und Freunde des Königs, an und sprach: „Mein Herr und König, hüte dich, unschuldiges Blut zu vergießen! Der Knabe hat ja noch keinen Verstand! Wenn du mir es gestattest, will ich dir einen Rat erteilen: lege einen funkelnden Rubin und eine glühende Kohle vor dieses Kind hin; streckt es die Hand aus und ergreift den Rubin, dann weißt du, daß es Verstand hat, dann hat es den Tod verdient und wir verfahren mit ihm nach der Gerechtigkeit. Greift es aber nach der Kohle, dann ist erwiesen, daß es keinen Verstand besitzt, und es ist frei.“
Dieses Wort gefiel dem Pharao und seinen Freunden; sie legten den Rubin und die Kohle in eine Schale und stellten sie vor Moses hin. Der Knabe streckte die Hand aus und griff schon nach dem Rubin, doch der Engel stieß seine Hand fort, daß er die Kohle faßte; er führte sie zum Munde und berührte mit ihr seine Lippen und die Zungenspitze. Darum war Moses von so schwerer Zunge. Damals aber ward er auf diese Weise gerettet.
VON MOSES.
„Jeden Sohn, der geboren wird, sollt ihr in den Strom werfen.“ — Rabbi Chanan erzählte: Israels fromme und keusche Töchter suchten ihre Kinder zu retten. So nahmen sie sie denn und verbargen sie in Höhlungen ihrer Wohnstätten. Da brachten die Ägypter ihre kleinen Kinder in die jüdischen Häuser und zwickten sie da, bis sie weinten. Da hörte das jüdische Kind die weinende Stimme seines Kameraden und weinte mit ihm. So fanden sie die Ägypter und warfen sie in den Fluß.
Moses und Aaron
In dieser Stunde sprach der Heilige, gebenedeit sei er, zu den Dienstengeln: Steigt doch herab und seht die Kinder meiner Lieblinge Abraham, Jizchak und Jakob, wie man sie in den Strom wirft. Da stiegen die Engel erschreckt herunter und standen bis zu den Knien im Wasser und fingen die jüdischen Kinder auf und legten sie auf emporragende Sandbänke. Der Heilige aber, gebenedeit sei er, ließ ihnen Brüste aus den Steinen sprießen und gab ihnen so zu trinken.
Wenn die Ägypter kamen, die Kinder zu töten, geschah ein Wunder und die Kinder wurden von der Erde verschluckt. Da brachten die Ägypter Ochsen und pflügten die Erde, aber wenn sie weg waren, sprossen die Kinder wieder auf wie das Gras auf dem Felde. Und wenn sie groß gewachsen waren, kamen sie scharenweise nach Hause. So kam es denn auch, daß sie am Roten Meere, da Gott sich offenbarte, ihn gleich wiedererkannten und riefen: „Dies ist mein Gott!“