»Und als er kam vor Liebchens Haus, Liebchens Haus,
Kam just der Hochzeitszug heraus,
Feinsliebchen unterm Schleier.«

Die Sonne senkte sich schon gegen die westlichen Berge, als er oben beim Turme ankam. Er versorgte seinen Gaul und legte die Scheibe neben die Bank beim Turme. Er selbst saß auf der Erde nieder und stützte seinen schweren Kopf in die Hände. »Hier will ich warten. Ob sie wohl kommen wird? Wenn nur mein Herz nicht gar so schmerzen wollte!« – Er hatte in der Tasche noch eine letzte Brotrinde gefunden, daran kaute er nun, denn er fühlte sich schwach zum Vergehen und eine schreckliche Mattigkeit lähmte ihm die Glieder. »Mir ist zum Sterben,« hauchte er. Sein Kopf fiel auf die Bank nieder, so lag er da und starrte vor sich hin.........

›Nur jetzt nicht sterben!‹ dachte er, ›nur jetzt nicht! Ich muß erst mit Berta gesprochen haben, o! nur ein paar Worte, damit sie wisse, wie sie mich elend gemacht hat!‹

So sterbensmatt er sich fühlte, so hob er sich doch ein wenig empor und krampfte die Hände zusammen, denn er dachte, daß er Berta bei den Schultern fassen, ihr seine Verachtung und seinen Fluch ins Gesicht schleudern wolle. Er sah ihre Augen vor sich, die erschreckten, blauen Augen, die entsetzt zu ihm aufblickten, und er fühlte, daß sie ihn in seiner grenzenlosen, heißen Erregung bewundern und lieben müsse. Und dann wollte er die Glasscheibe emporheben und ihr überreichen. Mit den Worten des Meisters: ›Wenn jemand ein tiefes Leid erfahren und voll Sehnsucht und verwirrter Liebe sei, dann solle er durch das Glas schauen, Monde, Monde lang, dann werde die Sehnsucht in das Glas übergehen und die Seele rein werden!‹ Und er wollte dann Berta sagen, sie möge das Glas ihrer Mutter bringen, er gebe es ihr, wie er versprochen, ob er gleich selber ....

»Nein, das will ich ihr nicht sagen,« stöhnte er, »daß sie den Triumph nicht erlebe, mich gedemütigt zu sehen! Da will ich lieber vor ihren Augen die Scheibe zerbrechen, in tausend Splitter, wie sie mein Herz zerbrochen!«

Da hörte er Pferdegewieher; er erhob sich müde, müde und mit zerrendem Herzen und da, er hob abwehrend die Hand, da stand Berta vor ihm.

»Leon,« schrie sie, »Leon, mein einziges Glück auf Erden, meine Hoffnung und Zuversicht, Leon, mein Geliebter, du kommst mich retten,« und sie weinte, sie schluchzte, sie umarmte ihn, sie drückte ihn stürmisch an sich, sie küßte und liebkoste ihn, »du meine letzte Zuversicht, du mein einzig Geliebter, Leon, Leon, mein Retter!«

Leon hing an ihrem Halse, er fühlte, wie seine Beine unter ihm schwanden, er fühlte, wie sein Herz ihm die ganze Brust füllte, um die Rippen zu zersprengen, seine Rechte schwamm durch die Luft: »Das ist zu viel, das verdiene ich nicht, meine Braut« .....

Sie sah ihm ins Gesicht; es war totenbleich und mit Schweiß bedeckt, da ließ sie seinen Körper auf die Bank niedergleiten: »Um des Himmels willen, Leon, fasse dich, mein Gott, er wird mir doch jetzt nicht ......, meine Hoffnung, mein Glück, Leon, mein Leon!«

Sie nestelte an seinem Wams, sie trocknete sein Gesicht, da ward ihm leichter und endlich lispelte er ihr ins Ohr: