»Und sicher nur Gutes!« rühmte Emilio. »Die Männer lieben ihn und mit den Weibern versteht es keiner wie er! Den müßtest du kennen lernen, Riccardo, und wenn das Glück es gut meint, kommt er früher heim, als seine Eltern glauben. Mit dem würdest du bald Freund sein, ihr paßt zusammen!«
Da war Riccardo von seinem Sessel aufgesprungen, er glaubte seinen Schwertgriff in den Händen zu halten und schwang doch das Weinglas, daß der rote Wein blutig über seine Hand spritzte. Er wollte etwas Furchtbares sagen, seine Augen funkelten, aber es gelang ihm nicht, und er sank hilflos und verloren lachend in seinen Sessel zurück.
Da brachte ihn Beppino zu Bette.
VI.
Als die beiden Offiziere sich am nächsten Tage beim Morgenimbiß trafen und Emilio lachend von ihrem gestrigen Zechgelage zu zweien sprach, da wurde es Riccardo erst klar, daß er dies nicht geträumt habe; er war verstimmt über seine Schwäche und hatte Angst von seinen Plänen und Absichten etwas verraten zu haben. Dann trennten sich die beiden, um für den nächsten Reisetag ihre Einkäufe zu besorgen, die Riccardo bald erledigt hatte.
Dann irrte er wieder wie früher durch Rom und in einer verschwiegenen Schenke unter dem Monte Pincio, wo er sein Mittagessen nahm, ward ihm ein Gedanke lebendig, der gestern abend zum ersten Male blitzartig durch sein Hirn geschossen war.
»Du reitest morgen nach Bosco rado,« sprach er zu sich, »und kannst übermorgen vielleicht vor den Eltern und der Schwester dessen stehen, der dein und deiner Lieben Glück zerstört hat. Und du bist ausgezogen, um die Schmach, die er deinem Hause angetan, zu rächen. Ist nicht die Lage, darin du und die Familie Palma euch findet, die gleiche, die vor Monden Ermete fand, da er das Haus deiner Mutter betrat? Der Bruder ist auf dem Meere und die Frauen sind allein, wenn ich vom alten Grafen absehe. Und gibt es eine andere, eine gerechtere Rache, eine Rache, die Gleiches mit Gleichem besser vergilt, als wenn du den heimkehrenden Bruder, der jetzt deinem Schwerte sich entzieht, ebenso unglücklich machst, wie er dich in allen deinen stolzen Hoffnungen zerstört hat? Da ist die Mutter, da die Schwester und da bin ich«, so berechnete er an den Fingern die Lage. »Wäre jener Schuft, jener Feigling, der sich vor mir aufs Meer geflüchtet hat, zur Stelle, er dürfte den heutigen Abend nicht erleben. Aber er ist vor mir geflohen,« der Gedanke fraß sich immer tiefer in sein Hirn, »er hat sich feige davongemacht, um meiner Rache zu entfliehen, da er doch wissen mußte, daß ich bald kommen, daß ich bald erscheinen werde, um die Schmach zu tilgen. Und da sind jetzt die beiden Frauen: was bleibt mir anderes übrig, als gleiches Unrecht mit gleichem Unrecht zu zahlen, als seine Schwester so unglücklich zu machen, als er meine Schwester fürs ganze Leben elend gemacht hat! Und wenn er heimkehrt, dann soll er alle Qualen durchfühlen, die ich in den letzten Wochen gelitten, und dann will ich vor ihn hintreten, offen und ehrlich, wie es einem Ritter ziemt, und er soll mir Rechenschaft geben und ich will ihm Rechenschaft geben. So ist es!«
Damit machte er den Strich unter seine Rechnung, damit zog er die Summe ihrer einzelnen Zahlen, damit beschwichtigte er sein Gewissen, bis es einschlief. Ein heißes Gefühl der Zufriedenheit durchfloß ihn, er konnte nicht mehr sitzen bleiben, es trieb ihn ins Freie und eine glühende Ungeduld jagte ihn durch die Gassen Roms. Er konnte den Morgen kaum erwarten und freute sich auf die kommenden Ereignisse wie ein kraftstrotzender Jüngling auf ein Turnier, daraus er als Sieger hervorgehen muß. Und er war auf dem Ritte nach Bosco rado durch den herrlichen, klaren Frühherbstmorgen übermütig und glücklich wie nur je.
»Erzähle mir von Francesca, Emilio,« sagte er, da sie einen steiler werdenden Pfad emporritten, »ist sie schön, ist sie liebenswert, hat sie einen Liebsten?«
Er mußte von Francesca sprechen, er drängte sein Pferd ganz nahe an den Schimmel Emilios, er fühlte, daß er sich mit seiner Frage in die Gefahr begab, etwas zu verraten, aber gerade dies reizte ihn, er mußte fragen: