»Gott sei Dank,« sagte Karolus, »die werden nicht wachen!« Und dann, er traute seinen Augen kaum, dann trat auch der Zwerg in die Tür, er schaute sich mißtrauisch um, als ob er auf jemanden warte, dann öffnete er noch einmal die Tür und sprach einige Worte ins Gewölbe hinein. Und dann – Karolus hatte sich noch tiefer ins Dunkel zurückgezogen – dann ging auch der von dannen.

›Allein!‹ jubelte es in Karolus Seele, ›sie ist allein, sie wartet auf mich, sie liebt mich, ich werde sie erretten, sie wird mein sein!‹ Er schaute dem Zwerge nach, bis er im Dunkel verschwand. Ein letzter Verdacht stieg lähmend in ihm auf, der Zwerg könnte die Tür hinter sich gesperrt haben! Er lief eilig der Tür zu, mit verschwendeter Kraft drückte er die Klinke nieder, die Tür öffnete sich weit und er stürzte in das Gewölbe.

Auf dem Rande der Kufe, seiner harrend, lag Lalanda, im Scheine der Lampe leuchtete ihr weißer Busen aus dem dunklen Mieder hervor und ihre Augen lachten ihn an, da sie die Arme ihm entgegenstreckte.

»Endlich,« sagte sie, »endlich kommst du! Ich hatte schon Angst, du kämest nicht!«

Er stürzte in ihre Arme, sie faßte seinen Kopf und übersäte seinen Mund mit heißen Küssen. »Liebst du mich?« fragte sie immer von neuem zwischen den glühenden Küssen. »Liebst du mich wirklich?«

Und sie reckte sich empor, daß sein Mund ihren Hals und den feinen Ansatz ihres Busens küssen mußte. Er bog den Kopf zurück, er erschrak bei der Berührung der weichen, warmen Sammethaut, als müsse er sich entschuldigen, daß er ein Heiligtum berührt habe. Dann legte er den Radmantel ab, wies auf die beiden Flaschen Weins in den Taschen und sagte: »Die waren für die beiden Trommler, falls sie uns gestört hätten, oder für den Zwerg, wenn sein Neid uns nicht allein gelassen hätte. Gottlob, sie sind fort, und nun laß uns beraten, Lalanda, wie ich dich errette. Ein Wagen harrt draußen auf unsere Flucht, wie aber bekomme ich dich in den Wagen, du Herrliche! Und wirst du es auf dem Trocknen aushalten? Wirst du es überleben? Denn ehe wir vor die Stadt zur Moldau kommen, vergeht wohl eine halbe Stunde und dann will ich dich ins Wasser zurückgleiten lassen und auf dem Ufer stehen und dir folgen, bis wir ein ruhiges Plätzchen finden, oder, wenn deine Sehnsucht dich ins Meer zurückzieht, will ich auf dem Ufer der Flüsse, dich im Angesichte wandern, bis wir ans Meer gelangen!«

Da richtete sich Lalanda vom Rande des Teiches auf, sie zog den Kopf Karolus’ nahe, ganz nahe an ihren Mund heran und fragte fast geheimnisvoll noch einmal:

»Liebst du mich wahrhaftig, sehnst du dich nach mir? Schwöre mir, daß du mich liebst!«

Und Karolus schauerte zusammen, so feierlich war die Frage, er hob die beiden Finger seiner Rechten zum Schwure in die Höhe und sagte ernst:

»Ich liebe dich, ich sehne mich nach dir. Ich bin glücklich, daß du mich erhöht hast durch deine Liebe. Ich wünsche nichts anderes, als daß du mich liebst!«