Hechingen. Ich fass' mein Verhältnis zu ihr jetzt so auf, daß es einfach meine Schuldigkeit ist, ihr die Freiheit zu gewähren, deren ihre bizarre, phantasievolle Natur bedarf. Sie hat die Natur der grande dame des XVIII. Jahrhunderts. Nur dadurch, daß man ihr die volle Freiheit gewährt, kann man sie an sich fesseln.
Stani. Ah.
Hechingen. Man muß large sein, das ist es, was ich dem Kari verdanke. Ich würde keineswegs etwas Irreparables darin erblicken, einen Menschen, der sie verehrt, in larger Weise heranzuziehen.
Stani. Ich begreife.
Hechingen. Ich würde mich bemühen, meinen Freund aus ihm zu machen, nicht aus Politik, sondern ganz unbefangen. Ich würde ihm herzlich entgegenkommen: das ist die Art, wie der Kari mir gezeigt hat, daß man die Menschen nehmen muß: mit einem leichten Handgelenk.
Stani. Aber es ist nicht alles au pied de la lettre zu nehmen, was der Onkel Kari sagt.
Hechingen. Au pied de la lettre natürlich nicht. Ich würde dich bitten, nicht zu übersehen, daß ich genau fühle, worauf es ankommt. Es kommt alles auf ein gewisses Etwas an, auf eine Grazie — ich möchte sagen, es muß alles ein beständiges Impromptu sein. (Er geht nervös auf und ab.)
Stani. Man muß vor allem seine tenue zu wahren wissen. Beispielsweise, wenn der Onkel Kari eine Entscheidung über was immer zu erwarten hätte, so würde kein Mensch ihm etwas anmerken.
Hechingen. Aber natürlich. Dort hinter dieser Statue oder hinter der großen Azalee würde er, mit der größten Nonchalance stehen und plauschen — ich mal mir das aus! Auf die Gefahr hin, dich zu langweilen, ich schwör' dir, daß ich jede kleine Nuance, die in ihm vorgehen würde, nachempfinden kann.