Ich war ein Kelch der vor dir stand,
Gefüllt vom Himmel bis an den Rand,
Von Irdischem war darin kein Ding,
Drum schien ich deinen Augen gering.

JEDERMANN:

O könnt ich sie ausreißen beid
Mir wär im Dunklen nit so bang
Als da sie mich zu bittrem Leid
Falsch han geführt mein Leben lang!

WERKE:

O weh, nun müssen die Lippen dein,
Auf ewig ungetränket sein!
Hast wollen dich tränken an der Welt,
Da ward der Kelch dir weggestellt!

JEDERMANN:

Des fühl ich ein wütendes Dürsten schon
Durch alle meine Adern rinnen
Und Raserei in allen Sinnen!
Da hab ich meines Lebens Lohn!

WERKE:

Das ist die bitter brennend Reu
Das sind deine ungelittenen Leiden!
O könnten dein Herz sie schaffen neu,
Wie selig wäre das uns Beiden!

JEDERMANN