»Nein,« dachte Klara, »nein – das ist nicht die Frau, die ich ihm wünsche –«
Ihre Vorstellungskraft versagte, wenn sie sich diese beiden als Paar vorstellte.
Wynfried hatte einmal gesagt: ein schönes Paar – er groß, schlank, dunkel – sie so blond, üppig, ganz weiche Weiblichkeit und so entzückend gepflegt –
Da hatte Klara betroffen geschwiegen. Sah denn Wynfried nicht, daß das doch einfach unmöglich war ...
Der Kommerzienrat Kreyser war lange nicht hier gewesen; seither hatte sich der Betrieb um einen Hochofen vermehrt, auch war die Fabrikation von Ammoniak und Benzol als Nebenprodukten aufgenommen worden, und Kreyser sprach den Wunsch aus, nachher einen Rundgang machen zu dürfen. Marning hörte es und erbat die Erlaubnis, sich anzuschließen. Sogleich sagte Agathe, daß sie darauf seit langem erpicht sei, einmal das Werk sehen zu dürfen, sie habe es nur nicht sagen mögen. Also gleich nach dem Kaffee und der Zigarre. – Zum Genuß dieser ließen die beiden Damen die Herren eine halbe Stunde allein.
Agathe war sehr damit beschäftigt, ob ihr Haar auch noch ordentlich sitze und wie Klara die dunkelgrüne Toilette finde. Der Seidenstoff sei ihr ein wenig, ein Spürchen zu glänzend ausgefallen; für sie seien stumpfe Stoffe kleidsamer. Sie stand vor dem Spiegel und prüfte ihr Bild und war beinahe gerührt über all die Schönheit, der der eine immer noch widerstand ...
Plötzlich wallte ein schrecklicher Jammer in ihr auf, und sie warf sich Klara an den Hals – mit beiden runden Armen umschlang sie sie und preßte sie heftig an sich.
»Klara,« sagte sie, »liebste, beste Klara – schenken Sie mir das Du – laß uns Freundinnen sein – Du? nicht wahr. Du?!«
Klara war betroffen. Es lag nicht in ihrer Natur, sich so schnell an einen Menschen nahe anzuschließen. Und wenn ihr Agathe auch nicht unsympathisch war – wie konnte dies gutherzige Naturkind es irgend einem Menschen sein? – so schien ihr doch, als gebe die Gewährung des »Du« einem anderen Wesen ein überraschendes, ja geradezu unbequemes Anrecht auf ihre Nähe. Und ihr war, als möge sie lieber allein bleiben.
Eine Ablehnung schien unmöglich. Agathe erwartete eine solche auch keinen Augenblick, küßte Klara heftig ab und sagte: »Ich muß dir gleich was anvertrauen! Ich muß. Sonst ersticke ich daran. Denke dir: ich liebe ihn! Rasend. Zum Sterben. Ich werde ... ja – ich mag nicht mehr leben – ich will nicht mehr leben, wenn er mich nicht liebt.«