»Aber solche Liebe laut einer Freundin zuschreien – o Gott – nein – das könnte ich nicht,« dachte sie.

Ihr schien, als nähmen so laute Klagen einer Leidenschaft Würde und Größe.

Und es wurde von ihr verlangt, daß sie – sie! – unkeusch zum Manne – zu diesem Manne, als Vermittlerin davon sprechen sollte? Unmöglicher Gedanke ...

»Nein,« sprach sie, »das kann ich nicht. Das tue ich nicht. In diese heiligsten Dinge von Mensch zu Mensch sich einmischen? Mit Worten an Geheimnisse rühren, die zu zart sind, als daß man sie laut ausgesprochen haben möchte – nein, das kann ich nicht! Verzeih mir. Aber ich denke: was hülfe es auch. Wenn er dich liebt, bedarf es der Vermittlung nicht, und er wird schon eines Tags sprechen; – wenn er dich nicht liebt, ist es eine Demütigung für dich, daß ich sprach – – O nein! – Du mußt die Haltung finden, gefaßt abzuwarten.«

»Du hast gut von Haltung reden,« sagte Agathe und drückte sich ihr geballtes Taschentuch gegen die Augen, behauchte es und tupfte wieder, »wenn man einen solchen Mann hat – der sich so auf Frauen versteht – ja – du kannst lachen –«

Ihr Jammer ward stiller. Die Furcht, verweint auszusehen, besiegte ihn für den Augenblick.

»Aber du gibst mir recht oft Gelegenheit ...«

»Gern. Ich will es wohl bei Wynfried anregen, daß er sich immer den Freiherrn von Marning einlädt, wenn du kommst. Und du wirst gewiß oft kommen ...«

»Das ist doch etwas!« seufzte Agathe, und ihr weiches Herz, das der Freude so bedürftig war, hoffte aufs neue.

Wieder stand sie vor dem Spiegel. Da waren nun die Tränenspuren auf der zarten Haut und ließen sich mit allem Tupfen doch nicht so rasch verjagen. Aber es kam wie eine Eingebung über die blonde Frau. Mochte er es nur sehen, daß sie in Tränen und Gram verging ...