Er wußte: Der Geheimrat hatte sie unterstützt nach dem Tode ihrer Eltern. Für einen so reichen Mann gegen die Waise eines einstigen Beamten eine brave, aber keine so große Tat, daß die Empfängerin der Wohltat sich dafür hinopferte ...
Sein Blick ließ nicht von diesem braunen Haar, nicht von diesem edlen Gesicht mit den dunklen Augen, über denen die geraden Brauen etwas zusammengerückt waren wie in einem geheimen, unendlichen Schmerz.
Und die Kraft seines Blickes drang in die Seele der jungen Frau. Sie hob, als rufe sie wer, ein wenig das Haupt, sah auf – und sah in das große, sprechende Auge des Mannes.
Sie erblaßten beide.
Klara senkte die Lider – ein leises Schwanken schien durch ihre Gestalt zu gehen.
Ihn überfiel ein seltsamer Zustand. Es war eigentlich kein Entsetzen, kein Sturm fassungsloser Aufregung.
Nichts war deutliches Denken oder eingestandene Erkenntnis.
Endlich klärte sich die dumpfe Verwirrtheit zu dem Gefühl: »Ich muß fort ...«
Ja, fort – sich versetzen lassen – an die russische oder französische Grenze – wo man fern von allen Erinnerungen, aller Kultur ist, wo man nichts hat als das wachsame und lauernde Warten auf den Krieg ...
Nachher, bei Tisch, fand er Agathe neben sich, die der Hausherr in einer Art von spöttischer Gelegenheitsmacherei an seine linke Seite gesetzt hatte. Und Agathe blühte in ihrer üppigen Schönheit lockender als je. Aber sie mußte einsehen, daß ihre Liebe verschwendet sei. Heute lösten sich auch die letzten Illusionen in einen trüben Nebel auf – und der hieß: Entsagung.