»Ehen lassen sich lösen –«

Vom Werk her kamen die tausend Stimmen der Arbeit. Sie vermengten sich zu einem dumpfen Getön – gedämpft, zuweilen fast sanft.

Die junge Frau horchte – hob ein wenig ihr Haupt – als wolle sie mit allen Sinnen diesen Klang aufnehmen. War es nicht, als sei es eigentlich die Stimme des alten Mannes, der sie liebte und ihr vertraute? Redete er ihr raunend zu: »Verlaß uns nicht mit deinem Herzen! Nicht mich, der dies Werk schuf, nicht deinen Sohn, der es einmal lenken soll« –? Zitterte in den brausenden Dämpfen ein Ruf mit, der an ihren Mut erging? Klang in all dem Krachen und Stoßen und Rasseln, das vereint und gemildert herüberkam, nicht ein stolzer Rhythmus? Umschmeichelte es sie nicht wie ein tröstliches Lied?

Sie erbebte. Und ihre Seele sagte den mahnenden Stimmen: ich höre – ich höre ...

Da sie schwieg, sprach er es noch einmal aus: »Ehen lassen sich lösen –«

»Die meine nicht und nie!« sprach Klara. – Und ihre Fassung wollte zerbrechen ...

»Ich wußte, was ich tat. – Liebe vielleicht kann enden. – Aber Pflicht nie – wenn sie allein der Inhalt einer Ehe war und ist – und – immer sein wird. – Und ich will eher sterben, als daß ich meinen Vater verließe und mein Kind ...«

Sie schluchzte auf ... Sie streckte ihm die Hand hin. –

Er begriff, es hieß: Lebewohl!

Er nahm die Hand und hielt sie lange.