Sie begriff, nun hieß es: lügen!
Hatte sie sich nicht schon verraten? Die Wahrheit nur zu ahnen, würde schon eine zu schwere Last für das Gemüt des alten Mannes werden – nein, die konnte und sollte er nicht tragen.
Sie auf ihn wälzen, hieße: ihre Tat des Dankes auslöschen – –
Woher eine Lüge nehmen?
Lügen müssen glaubhaft sein – sonst sind sie noch schlimmer als harte Wahrheiten.
»Wenn ich sagte: Wynfried wird eifersüchtig werden, daß man einen solchen Mann zu seinem Mitarbeiter ausbilden will?«
Vielleicht war es nicht einmal eine Lüge. Klara kannte ja ihren Gatten gar nicht. Sie kannte einen schönen, immer verbindlichen, liebenswürdig-freundlichen Mann von angenehmsten Formen und vornehmen Lebensgewohnheiten, der in den ersten Monaten ihrer Ehe auch in zärtlichen Aufwallungen sich als Liebender gebärdet hatte. An dem urteilsfähige Beobachter eine starke und raschbewegliche kaufmännische Begabung festgestellt hatten.
Von dem, was an Möglichkeiten im Grunde seines Wesens schlummerte, wußte sie nichts. –
So blitzschnell das alles durch sie hinging – sie fühlte doch: dies große, forschende Auge ruhte wartend auf ihr. Und sie sagte, was ihr eingefallen war.
»Weil Wynfried eifersüchtig werden könnte, wenn du einen anderen heranziehst, der sich möglicherweise zu einem Rivalen heraufarbeiten kann.«