Sie mußte sich an den Pfosten des breiten Zeugrecks lehnen – betäubt – fassungslos – –

Nun kamen ihre männlichen Kollegen – Herr Magers wollte, ehe er zu seiner Frau hinauf in das obere Stockwerk ging, ihr noch sagen, daß der kleine Rohrdantz wieder gelogen habe und daß sie doch einmal zu der Mutter des Jungen gehen möge – aus Frauenmund Warnungen zu hören, käme die Mutter sicher leichter an. – Und Herr Kehl strich sich durch seine blonden Haare und wartete, bis der Vorgesetzte treppan gestiegen war, und sah Klara über den Rand seiner Stahlbrille weg unsicher und zärtlich an. Sogar die Kinder der oberen Klasse hatten es schon heraus: »Herr Kehl ist in Fräulein Hildebrandt verschossen.« Nun bat er, verlegen über diese seine Nebentätigkeit, von der er doch einen wunderbaren Umschwung seiner Existenz erwartete, ob er ihr das Manuskript einer schon dreimal von ihm umgearbeiteten Novelle geben dürfe, ihr Urteil sei ihm ihm –

»Morgen,« sagte Klara, »morgen –«

Und sie zerrte sich ihren Mantel um, drückte sich die Mütze auf den Kopf und lief hinaus.

»Fräulein Hildebrandt – Ihr Schirm!«

Sie hörte nicht – sie fühlte ihren Körper nicht – nicht Regen – nicht Sturm – Sie lief – und lief –

Sie dachte nicht, daß Vater oder Sohn sie von den Fenstern des Herrenhauses vielleicht sehen könnten.

Fort, nur fort – in die Einsamkeit. Nachdenken über das Ungeheure, das an sie herantrat.

Wynfried wollte kommen und um sie anhalten.

Die Frau eines Mannes sollte sie werden, den sie nicht liebte.