Und es tat ihm seltsam dringlich leid, daß er dem jungen Marning keine Freundlichkeit erweisen konnte.
Nun war die Truppe vorbei. Er konnte ihr ein paar Minuten nachsehen – da zog sie hin, Mann wie Offizier, um in zäher, täglich neu aufgenommener Arbeit, mit einer moralischen Geduldskraft ohnegleichen, die unerhört opfervolle Mühe des Kriegshandwerks im Frieden zu üben – dazu gehört Mannhaftigkeit, die nicht an Ruhm und Heldenrausch, sondern nur an Pflicht denkt.
Auch stille Helden – wie die Tausend und Tausend, die arbeiten und sich bezwingen, und deren Namen und deren Kampf niemals jemand nennt und preist.
Ja, die gibt’s auf allen Gebieten.
So dachte der alte Herr. Und da all seine Gedankenwege jetzt auf den einen Menschen zuführten, so war er schon wieder bei seinem Sohn.
»Ich hätte Wynfried doch vielleicht Offizier werden lassen sollen! Der Junge hatte es einmal gewünscht.«
Aber er hatte so oft mit seinen Wünschen gewechselt; sie waren immer nur lau gewesen.
Und der einzige Sohn und Erbe! Ihn zum künftigen Mitbesitzer und späteren alleinigen Herrn von »Severin Lohmann« zu bestimmen, war das Selbstverständliche. Er hatte sich ja auch nie dagegen erhoben. Den ganzen Bildungsgang durchlief er ohne Widerspruch, aber auch freilich ohne jemals Aufsehen durch Fleiß oder Leistungen zu erregen – was sicher nicht von einem Mangel an Begabung, sondern von dem Überfluß an Beziehungen zum weiblichen Geschlecht herkam ...
Hier übermannte den alten Herrn wieder der Zorn, und er unterbrach sich, um den dienstwilligen Tisch fast gegen die Wand fliegen zu lassen.
Nun war ihm freier, nun hatte er nicht die Barriere von Tischplatte mit all den Schüsseln und Speisen vor sich.