Den erhebenden Schluß bildete das Auftreten der drei Frauengestalten: Helvetia, Basilea, Klio. Unter dem völlig programmwidrigen Hurrahgeschrei der Buben sank Basilea in die mütterlichen Arme Helvetias.
Das Publikum erwies sich sehr aufmerksam. Die kleine Mutter lachte Tränen. Die Tante fühlte sich »bewegt«, und auch Großmutters alte Augen schauten freundlich zu uns herüber. In die Ferne konnte sie ja gut sehen, und so war ihr keine Einzelheit unserer Kostüme, keine einzige fürstliche Geste und dramatische Bewegung entgangen.
Nach dem wirklichen Festspiel hatte ein großes Festessen stattgefunden. Auch uns ward eines zu Teil.
Als die Vorstellung zu Ende war, lud uns die kleine Mutter feierlich ein, hinunter zu kommen. Der Tisch im Eßzimmer war gedeckt. In der Mitte stand eine Riesenplatte mit Erdbeeren. Hei! Wie da König Rudolf, Kaiser Valentinian und Herzog Leopold fröhlich schmausten. Auch der alte Priester vergaß seinen Groll, während er eine saftige Beere nach der andern in den Mund schob.
Diese Aufführung blieb nicht die einzige, die die alte Bodenkammer erlebt hat. Das Bühnenfieber hatte uns gepackt, und eine Zeit lang mußten sich Großmutter und die kleine Mutter wieder und wieder zu dem alten Sofa hinaufbequemen, um unsere »Lebenden Bilder«, Komödien und Tragödien anzusehen.
Der Winter machte diesen Vorstellungen ein Ende, und der Winter brachte auch eine schmerzliche Trennung. Meine Freunde verließen die Stadt. Das alte Haus wurde eingerissen, und in dem zierlichen Neubau, der sich an seiner Stelle erhob, war keine alte Bodenkammer mehr zu finden.