Das Städtchen Reikjavik besteht nur aus einer einzigen breiten Gasse, um welche herum noch einzelne Häuser und Kothen liegen. – Die Zahl der Einwohner beträgt nicht ganz 500.
Die Häuser der Wohlhabenden sind aus Holz gebaut, haben aber alle nur Erdgeschoß, bis auf Eines, in welches kommendes Jahr die Hochschule, die bis jetzt in Bässastadt ihren Sitz hat, hierher versetzt wird; – dieß hat ein Stockwerk. Das Haus des Stiftsamtmanns ist von Stein gebaut. Es war ursprünglich zum Gefängniß bestimmt, allein da es in Island so selten Verbrecher gibt, so ist es nun seit vielen Jahren zur Wohnung dieses königlichen Beamten umgestaltet.
Ein zweites Steinhaus, das man von Reikjavik aus sieht, liegt zu Laugarnes – eine halbe Meile von dem Städtchen entfernt – nahe am Meere, ist von Wiesen umgeben und der Sitz des Bischofes.
Die Kirche kann höchstens 100 bis 150 Personen fassen; sie ist von Stein gebaut, und mit einem hölzernen Dache versehen, unter welchem die Bibliothek aufbewahrt wird, die aus mehreren tausend Bänden besteht. – Diese Kirche besitzt einen Schatz, um den sie gewiß viele andere, größere und reichere beneiden würden: einen Taufstein, – eine Arbeit Thorwaldson's, dessen Eltern aus Island stammten. – Er selbst war in Dänemark geboren, und schien durch dieß Geschenk das Land seiner Voreltern ehren zu wollen.
An manche Häuser Reikjavik's schließt sich ein Stückchen Garten. Darunter versteht man ein durch unendliche Mühe und mit großen Kosten geschaffenes Plätzchen, worauf Salat, Spinat, Petersilie, Kartoffeln und einige Rübengattungen fortkommen. Die Beetchen sind durch fußbreite Graswege geschieden, auf welchen höchstens einige Wiesenblumen wachsen.
Was die Bewohner Islands betrifft, so sind sie von ziemlich kräftigem, mittelgroßem Schlage. Sie haben blondes, oft in's Röthliche spielendes Haar und blaue Augen. Die Männer sind meist häßlich, die Weiber weniger, ja, unter den Mädchen findet man manchmal sogar recht liebliche Gesichtchen. Ein Alter von siebenzig bis achtzig Jahren soll zu den Seltenheiten gehören.
Die Bauern haben viele Kinder und dennoch wenige; – es werden viele geboren, aber die wenigsten erreichen das erste Lebensjahr. Die Mütter säugen sie nicht, und ziehen sie bei äußerst schlechter Nahrung auf. Die, welche das erste Jahr überleben, sehen dann kräftig aus; nur haben sie gar sonderbar rothgefärbte Backen, als bekämen sie einen Ausschlag. Ob dieß von der scharfen Luft, an die die zarten Gesichter noch nicht gewöhnt sind, oder von der Nahrung herrührt, – – weiß ich nicht.
An manchen Küstenorten, wenn die armen Fischer im Winter, der fürchterlichen Stürme wegen, wochenlang die See nicht befahren können, leben sie beinahe ausschließend von getrockneten Fischköpfen; die Fische selbst haben sie eingesalzen und verkauft, und mit dem gelösten Gelde theils ihre Steuern und Abgaben berichtiget, theils ihre Schulden bezahlt für bereits erhaltene Bedürfnisse, unter denen leider Brandwein und Schnupftabak nur zu bedeutende Rollen spielen.
Eine zweite Ursache der sich nicht vermehrenden Volkszahl sollen die vielen Unglücksfälle sein, welche sich in den stürmischen Jahreszeiten beim Fischfange ereignen. – Mit Gesang und Freude ziehen sie hinaus, – ein schöner Himmel, ein ruhiges Wetter verkünden ihnen Glück! – Doch wehe! – Sturm und Schneegestöber überfällt die Armen, die ruhige See wird aufgewühlt, – mächtige Wogen steigen empor und reißen Fischer und Kahn mit sich in die unergründliche Tiefe. Spurlos gehen sie verloren. – Selten bemannt ein Vater mit seinen Söhnen ein und dasselbe Boot. Sie vertheilen sich auf mehreren, damit wenn Eines versinkt, nicht die ganze Familie damit zu Grunde gehe.
Die Bauernwohnungen um Reikjavik fand ich zum Theil noch kleiner und schlechter als jene zu Havenfiord. Dieß mag aber wohl nur Folge ihrer Trägheit sein; denn an Steinen fehlt es nirgends und Baumeister ist jeder selbst. Die Kühe und Schafe überwintern in einem elenden Loche, das in der Kothe selbst oder nahe daran gebaut ist. – Die Pferde sind das ganze Jahr unter Gottes freien Himmel gewiesen, und müssen sich ihre Nahrung selbst suchen. Nur selten schaufelt der Bauer von einem kleinen Plätzchen den Schnee weg, um so die armen Thiere leichter auf die Spur des darunter verborgenen Grases oder Mooses zu leiten. Ihren Füßen bleibt es dann überlassen, den Schnee immer weiter wegzuscharren. – Daß sie durch diese Lebensweise ungemein abgehärtet sind, versteht sich wohl von selbst; zu wundern aber ist es, daß sie bei dieser kärglichen Nahrung den Winter überleben, und im späten Frühjahr und Sommer auch kräftig und ausdauernd sind. – Hafer ist ihnen so fremd, daß sie, wenn man ihnen einen vorsetzt, solchen gar nicht berühren; auch das Heu fressen sie nicht gerne.