Nun stieg ich in das Thal hinab; das Lärmen und Brausen hörte ich schon nach einigen hundert Schritten nicht mehr. – Ich dachte, das Wunderbarste nun schon gesehen zu haben, doch kam mir auch hier unten im Thale noch manches Merkwürdige vor. – Da war ein Becken, von vielleicht fünf bis sechs Fuß im Durchmesser, angefüllt mit beständig aufkochendem Brodem. – Dieser Brodem glich vollkommen einer feinen, lichtgrauen, im Wasser aufgelösten Lehmmasse.

Aus einem andern Becken, von höchstens zwei Fuß im Durchmesser, wirbelte fortwährend eine Dampfsäule mit solchem Getöse und solcher Gewalt auf, daß ich wie betäubt zurück wich und jeden Augenblick die Decke gesprengt zu sehen vermeinte. Dieses Becken liegt in einem Winkel des Thales, und ist auf drei Seiten von Hügeln rings umschlossen. – Rings herum sprudelten noch mehrere heiße Quellen; doch sah ich aus keiner Wassersäulen hervorsteigen, und mein Führer versicherte mich auch, daß eine solche Erscheinung hier nie statt habe.

Das Betreten dieser Stellen ist noch viel gefährlicher, als jener auf den Bergen. Trotz der größten Vorsicht sinkt man oft bis über die Knöchel ein, und zieht erschrocken den mit Brodem bedeckten Fuß zurück; an der Stelle selbst steigt dann Rauch und heißer Brodem oder kochendes Wasser empor.

Ich ließ freilich meinen Führer voraus gehen, der immer mit einem Stocke den Weg untersuchte, aber dennoch einmal bis über die halbe Wade einsank. – Diese Menschen scheinen indessen an dergleichen Gefährlichkeiten so gewöhnt, daß sie sich wenig daraus machen. – Er ging ganz phlegmatisch zur nächsten Quelle, und reinigte seine Kleider vom Brodem. – Ich folgte seinem Beispiele, da auch ich bis über die Knöchel damit bedeckt war.

Zu dieser Excursion sollte man eigentlich 5-6 Fuß lange Bretter mitnehmen, um sie über die gefährlichsten Stellen legen zu können.

Um neun Uhr Abends, bei noch vollem Sonnenscheine kam ich wieder nach Krisuvik. – Nun erst nahm ich mir Zeit, diesen Ort genauer zu betrachten, und fand, daß er aus einer kleinen Kirche und einigen elenden Hütten bestand.

Ich kroch in eine dieser Höhlen, die so finster war, daß ich lange Zeit stehen mußte, bis ich etwas unterscheiden konnte; – das Licht fiel nur durch eine ganz kleine Oeffnung herein. Ich traf da einige Personen, die an einem in Island sehr häufig vorkommenden Aussatze, Namens Lepra, litten; Kopf und Hände waren schon mit diesem Ausschlage bedeckt. Verbreitet er sich über den ganzen Körper, so siecht der Kranke langsam dahin, zehrt immer mehr ab, und ist unrettbar verloren.

Die Kirchen dienen in diesem Lande nicht bloß zum Gottesdienste, sondern auch als Magazine für Lebensmittel, Geräthschaften, Kleidungsstücke u. s. w. und als Nachtquartier für Reisende.

Ich glaube kaum, daß selbst bei den rohesten Völkern eine solche Entweihung heiliger Gebäude statt habe. – Man sagte mir zwar, daß diese Mißbräuche jetzt abgeschafft werden sollten. – Dieß hätte aber schon lange geschehen können, und scheint auch jetzt nur beim Sollen zu bleiben; denn wo ich hin kam, stand mir die Kirche als Nachtherberge zu Diensten, und in Jeder fand ich Fische, Talg und weiß Gott, was noch für gestankverbreitende Dinge aufgespeichert.

Das hiesige Kirchlein ist 22 Fuß lang und 10 Fuß breit; erst bei meiner Ankunft wurde es in Stand gesetzt, mich beherbergen zu können. Man warf Pferdesättel, Stricke, Kleider, Hüte und andere herumliegende Geräthschaften in einen Winkel, brachte Kotzen und einige recht hübsche weiche Federkissen, und bereitete mir auf einer, zur Aufbewahrung der Meßkleider, Altartücher u. s. w. dienenden Kiste eine ziemlich gute Lagerstätte.