Und nun kann ich diesem Briefe auch nicht einmal mehr ein leichteres Anhängsel verleihen, damit Du nicht allzu sehr unter dem Eindrucke dieses sozialen Vortrages bleibst, denn da erscheint eben der Zimmermann, der hier gearbeitet hat und heute Abend wieder zur Stadt zurückkehrt, und der aus Gefälligkeit unsere Postsachen mitnimmt. Denn Herr de Souza schickt nur des Donnerstags zur Post — ich bin richtig ganz und gar in den „alten Styl“ hineingeraten.
Also ein Lebewohl für heute und nächstens mehr von
Deiner Ulla.
[7] Fallen Sie nicht!
Saõ Sebastiaõ, den 28. Juli 1882.
Liebste, beste Grete!
Denke Dir meine Freude, hier ist eine Pflanzung ganz in der Nähe, die amerikanischen Ansiedlern gehört, also ganz zivilisierten Menschen! Niemand hatte mir davon erzählt, bis sie uns heute besuchten — man wußte ja nicht, wieviel mir das wert sein konnte! Ach, Grete, so nett diese Souzas auch sind, fremd bleiben die Brasilianer einem doch, fremder sogar als alle anderen Fremden hier, die schon ein gewisses Gefühl der Zusammengehörigkeit als Gäste auf hiesigen Boden zusammenzieht. Zudem ist mir doch immer das ganze Wesen und Sein germanischer Volksstämme weit sympathischer als diese Romanen; schon beim Klange der englischen Sprache atmete ich auf, ganz abgesehen davon, daß Mr. Quimby und seine Schwägerin wirklich sehr liebenswürdig und nett waren. Mrs. Quimby war zu Hause geblieben bei den kleinen Kindern, während das älteste zwölfjährige Mädchen schon flott mitgeritten war. Es war am vorigen Sonnabend, als sie kamen und — „Wollen Sie morgen mit uns zur Kirche?“ fragten sie mich plötzlich.
„Zur Kirche?“ wiederholte ich erstaunt — „wo?“