Und wie ich nach der Ostwand blicke, von der die Lichtsäule kommt, sehe ich jemanden!
Wen, glaubt ihr, sehe ich?
Meinen Bruder, gesegneten Angedenkens, sehe ich! Und gerade auf dem Platze, wo er bei Lebzeiten immer zu sitzen und zu studieren pflegte.
Er hat vor sich ein Buch … Sein Gesicht kann ich nicht sehen, weil er den Kopf in die Hand stützt. Doch das Herz sagt mir, daß er es ist, mein Bruder Seinwel-Jechïel …
Und ich erschrak gar nicht!
Denn die Regel ist: wer vor Lebendigen keine Angst hat, der zittert vor Toten. Doch ich armer Wurm, der ich vor allem, was da lebt, zittere, was soll ich vor einem Toten Angst haben? Und vor wem? Vor meinem Bruder Seinwel-Jechïel, der auch bei Lebzeiten wie Seide war? Und ich frage ihn ganz einfach:
»Bist du es, Seinwel-Jechïel?«
»Ja, ich bin es!« antwortet er und nimmt die Hand von den Augen.
Ich erblicke sein Gesicht. Es strahlt in seltsamer Lieblichkeit, und in seinen Augen liegt eine eigentümliche Süße …
Und ich frage weiter: