»Doch er schwieg immer,« fährt der Fürsprech fort. »Er schwieg auch, als er mit dreizehn Jahren seine Mutter verlor und eine Stiefmutter bekam, eine Stiefmutter, böse wie eine Schlange …«

»Meint er vielleicht doch mich?« denkt sich Bonze.

»Bitte, keine Verdächtigungen gegen dritte Personen!« grollt der Präsident.

»Sie kargte ihm jeden Bissen ab; sie gab ihm verschimmeltes Brot von vorgestern … Sehnen statt Fleisch … Und sie selbst trank währenddessen Kaffee mit Sahne …«

»Zur Sache!« schreit der Präsident.

»Dafür geizte sie nicht mit Kniffen und Schlägen, und sein blau und braun unterlaufener Körper sah aus allen Löchern seiner schäbigen Kleider hervor … Im Winter, beim größten Frost mußte er barfuß auf dem Hofe Holz spalten, und seine Knabenhände waren zu schwach, die Holzklötze zu schwer und das Beil zu stumpf … Mehr als einmal renkte er sich dabei den Arm aus, mehr als einmal fror er sich die Füße wund, doch er schwieg immer. Selbst vor dem Vater …«

»Vor dem Trunkenbold!« ruft lachend der Ankläger dazwischen, und Bonze überläuft es kalt.

»… klagte er niemals,« beendet der Fürsprech seinen Satz. »Und immer elend, immer allein … keine Freunde, keine Schule, kein einziges ganzes Gewand … keine Minute freie Zeit …«

»Tatsachen!« ermahnt wieder der Präsident.

»Er schwieg auch, als sein betrunkener Vater ihn einmal bei den Haaren packte und mitten in der Nacht, in einer Winternacht, aus dem Hause hinauswarf! Er erhob sich still aus dem Schnee und ging, wohin ihn die Füße trugen …