Die entsetzliche Fliege flog unmittelbar darauf hinaus ... Da erst errieten wir, was dies für ein Gast gewesen war.
Die Kohlsuppe
Einer alten Witwe war ihr einziger, zwanzigjähriger Sohn gestorben, der beste Arbeiter im Dorfe. Die Gutsherrin, die Besitzerin dieses Dorfes, hörte vom Kummer der alten Frau und machte sich am Tage der Beerdigung auf, um sie zu besuchen.
Sie fand sie zu Hause.
Mitten in der Stube vor dem Tische stehend, schöpfte sie mit langsamer, mechanischer Bewegung mit der rechten Hand (die linke hing schlaff herab) dünne Kohlsuppe aus einem rauchgeschwärzten Topfe und schluckte einen Löffel nach dem andern davon hinunter.
Das Gesicht der Alten war abgehärmt und trübe; die Augen rot und verschwollen ... aber sie hielt sich gerade und aufrecht, wie in der Kirche.
Herr des Himmels! dachte die gnädige Frau bei sich, in solchem Augenblick bekommt die es fertig zu essen ... was haben doch all diese Leute für ein rohes Gefühl!
Und hierbei erinnerte sich die gnädige Frau, wie sie selbst vor einigen Jahren nach dem Verlust eines neun Monate alten Töchterchens vor lauter Kummer darauf verzichtet hatte, ein prächtiges Landhaus in der Nähe von Petersburg zu mieten – und den ganzen Sommer in der Stadt zugebracht hatte! – Die Alte dagegen löffelte weiter an ihrer Kohlsuppe.
Endlich verlor die gnädige Frau die Geduld. – »Tatjana!« rief sie aus ... »Das ist unerhört! – Ich fasse es nicht! Hast du denn deinen Sohn gar nicht geliebt? Hast du denn nicht einmal den Appetit verloren? – Wie kannst du bloß jetzt diese Kohlsuppe essen!«
»Mein Wassja ist tot,« erwiderte leise die Alte – und von neuem rollten bittere Tränen über ihre eingefallenen Wangen. »Nun ist es auch mit mir bald zu Ende: bei lebendigem Leibe hat man mir den Kopf abgerissen. Darum kann ich aber doch die Kohlsuppe nicht umkommen lassen: sie ist ja gesalzen.«