Der Feind lachte befriedigt auf – und ging von dannen; der Freund aber setzte sich ans Ufer und zerfloß in bitterlichen Tränen um seinen armen – armen Freund!

Sich selber jedoch die Schuld an dem Unfall beizumessen, das kam ihm gar nicht in den Sinn ... nicht einen Augenblick.

»Er hörte nicht auf mich! Hörte nicht!« schluchzte er trostlos.

»Aber wenn auch!« sagte er zum Schluß. »Er hätte ja doch sein ganzes Leben lang im schrecklichen Kerker schmachten müssen! Wenigstens leidet er jetzt nicht mehr! Jetzt ist ihm leichter! Gewiß hat das Schicksal es so gewollt! – Und trotzdem, wie schmerzlich, rein menschlich betrachtet!«

Und die gute Seele vergoß aufs neue bitterliche Tränen um den unglückseligen Freund.

Christus

Ich sah mich als Jüngling, fast noch als Knaben in einer niedrigen Dorfkirche. – Die Flämmchen der dünnen Wachskerzen glühten wie kleine rote Punkte vor den alten Heiligenbildern.

Ein kleiner regenbogenfarbiger Lichtschein umgab jedes einzelne Flämmchen. Es war düster und dämmerig in der Kirche ... Vor mir aber standen eine Menge Leute. Lauter schlichte, blonde Bauernköpfe. Von Zeit zu Zeit neigten sie sich, beugten sich herab und erhoben sich wieder gleich reifen Kornähren, wenn der sommerliche Wind wie eine sanfte Woge über sie hinstreicht. Mit einem Male kam jemand von hinten heran und trat neben mich.

Ich wandte mich nicht nach ihm um – aber ich fühlte sofort: dieser Mensch ist – Christus.

Rührung, Neugier und Angst bemächtigten sich meiner im selben Augenblick. Ich nahm mich zusammen ... und sah meinen Nachbar an.