»Wirst du hingehen?« fragte Paul.
»Nein, und du?«
»Ich auch nicht. Ich halte es für keineswegs notwendig, um seiner schönen Augen willen einen Weg von 50 Werst zu machen. Matthias will sich uns in seinem ganzen Glanze zeigen. Hol ihn der Teufel! Er könnte mit dem Beamtenweihrauch zufrieden sein. Da wäre er also Geheimrat; die große Herrlichkeit! Wenn ich im Dienst geblieben wäre, wenn ich das Halsband des Elends weitergetragen hätte, so wäre ich jetzt Generalleutnant; übrigens sind wir ja in der Rumpelkammer.«
»Ja, lieber Bruder. Es ist, wie es scheint, Zeit, daß wir unsere Särge bestellen und die Arme auf der Brust kreuzen,« sagte Kirsanoff mit einem Seufzer.
»Was mich anbelangt,« erwiderte Paul, »so werde ich mich nicht so leicht ergeben; ich werde diesem schönen Doktor noch eine Schlacht liefern. Du kannst darauf zählen.«
Die Schlacht fand noch an demselben Abend beim Tee statt. Paul war schon ganz aufgeregt und schlagfertig in den Salon gekommen. Er wartete nur auf einen Anlaß, um sich auf seinen Feind zu werfen; allein er mußte lange warten. Bazaroff sprach gewöhnlich nicht viel in Gegenwart der »beiden Alten«, wie er das Brüderpaar nannte; auch war er diesen Abend schlecht aufgelegt und schlürfte eine Tasse nach der andern in vollkommenem Stillschweigen. Paul verging vor Ungeduld; endlich fand sich doch ein erwünschter Anlaß. Das Gespräch war auf einen Gutsbesitzer aus der Umgegend gefallen.
»Das ist ein Dummkopf, ein schlechter Aristokrat,« sagte Bazaroff ruhig, der ihn von Petersburg her kannte.
»Erlauben Sie mir die Frage,« wandte sich Paul mit zitternden Lippen an ihn, »ob nach Ihrer Ansicht die Worte Dummkopf und Aristokrat gleichbedeutend sind?«
»Ich habe ›schlechter Aristokrat‹ gesagt,« antwortete Bazaroff, nachlässig seinen Tee schlürfend.