Die beiden Freunde entfernten sich. Paul und sein Bruder blieben allein und schauten sich im ersten Augenblick nur schweigend an.
Dann hob Paul an. »Dahin also ist es mit unserer Jugend gekommen! Das sind unsere Nachfolger!«
»Unsere Nachfolger!« wiederholte Kirsanoff mit einem tiefen Seufzer. Er hatte während des ganzen Streits wie auf Kohlen gesessen und sich damit begnügt, von Zeit zu Zeit einen traurigen Blick auf Arkad zu werfen. – »Weißt du wohl, lieber Bruder, welche Erinnerung das in mir wachruft? Eines Abends stritt ich mich lebhaft mit meiner verstorbenen Mutter; sie schrie und wollte mich nicht hören. Endlich sagte ich zu ihr: ›Sie können mich allerdings nicht verstehen; wir gehören zwei verschiedenen Generationen an.‹ Diese Worte verletzten sie sehr; aber ich sagte mir: ›Was ist da zu machen? Die Pille ist bitter, und doch muß sie verschluckt werden.‹ So kommen auch jetzt unsere Nachfolger zu uns und sagen: Ihr seid nicht von unserer Generation, verschluckt die Pille!«
»Du bist gar zu bescheiden und gutmütig,« antwortete Paul; »ich bin im Gegenteil überzeugt, daß wir viel mehr im Rechte sind als alle diese jungen Herren, wenn auch unsere Sprache vielleicht ein wenig veraltet ist, und wenn wir auch ihre Selbstüberschätzung nicht besitzen … Dabei sind sie so affektiert. Fragt man sie bei Tische: ›Wollen Sie roten oder weißen Wein?‹ so geben sie zur Antwort: ›Es ist Grundsatz bei mir, Rot vorzuziehen,‹ und das mit einer Baßstimme und einer so lächerlich wichtigen Miene, als ob die ganze Welt auf sie blicke …«
»Wünschen Sie keinen Tee mehr?« fragte Fenitschka durch die halbgeöffnete Türe; sie hatte Anstand genommen, während des Streits den Salon zu betreten.
»Nein, du kannst den Samowar wegnehmen,« erwiderte Kirsanoff, stand auf und ging vor ihr hinaus. Paul sagte ihr kurz guten Abend und suchte sein Zimmer auf.