Elender, undankbarer Sklave! rief Osmin in Wuth, ich will Dir den Weg zu Hassan schon abschneiden!
Und Osmin gab Befehl, daß Karl zwölf Peitschenhiebe auf die Fußsohlen erhielt. Nebstdem erhielten zwei Sklaven des Hauses den Auftrag, Ilev nicht aus den Augen zu lassen, und es wurde ihnen mit dem Tode gedroht, falls sie ihr Amt vernachläßigen sollten und es sich begeben würde, daß Ilev sich aus dem Hause entferne.
Auf diese Weise befand sich Karl wieder in der elendesten Lage.
Er weinte oft des Nachts auf seinem harten Lager und wünschte sich in Hassan's Gärten zurück.
Seine Zuflucht war wieder das Gebet, in welchem er sich an Gott den allgütigen Vater der Menschen wandte; dann nahm er auch das Kreuz, welches er von Ossira erhalten hatte, preßte es an seine Brust und betete für sich und für Ossira.
Ach wüßte sie, sagte er, in welcher Noth ich mich befinde, sie würde mir gewiß helfen. Aber wie soll ich zu ihr, wie soll ich zu Hassan gelangen?
Indessen ertrug er mit Stillschweigen und mit vieler Ergebung sein hartes Geschick, immer die Gelegenheit abwartend, die es ihm möglich mache, Hassan seine Noth zu klagen.
Diese Gelegenheit ergab sich endlich.
Osmin mußte in Handelsgeschäften verreisen, einer der Sklaven, welchem die strenge Aufsicht über Karl anbefohlen war, erkrankte und konnte sein Lager nicht verlassen und der andere war immer so beschäftigt, daß er nicht in dem Maße der Aufsicht sich unterziehen konnte, wie ihm vorgeschrieben war.
Da machte sich Karl eines Morgens aus dem Hause und da ihm alle Eingänge in Hassan's Gärten bekannt waren, eilte er dahin in der Absicht, den alten Sklaven aufzusuchen, dem er früher beigegeben war, ihm seine Noth zu klagen und ihn um Rath zu befragen, wie er es anzustellen habe, um vor Hassan zu kommen.