Zwölftes Kapitel.
Osmin vor Hassan.

Osmin war von seiner Reise heimgekehrt; glücklich sah er die Geschäfte vollendet, die ihm reichen Gewinn eintrugen; deshalb war er heiter und guter Dinge und dachte an nichts weniger als an seinen Sklaven Ilev.

Da kam an ihn eine Einladung von Hassan und eilig machte sich Osmin auf den Weg zu Hassan, neuen Gewinn hoffend.

Hassan empfing ihn äußerst freundlich und machte wichtige Waaren-Bestellungen bei dem Kaufmann, der im Stillen die großen Vortheile berechnend, allen Wünschen Hassan's nachzukomnen suchte.

Doch, Osmin, sagte jetzt Hassan, ich beschwere dich wieder mit neuen Bestellungen und kann mich doch nicht erinnern, ältere Schulden getilgt zu haben, die nicht unbeträchtlich seyn dürften. Du hast meinen Sklaven Ilev, dem ich, da mein Sohn Selim mit Tod abgegangen war, die Freiheit schenkte, ausgestattet und dafür gesorgt, daß er zurück in seine Heimath gebracht wurde, gib nun an, was ich hierfür schulde!

Edler Hassan, sprach Osmin, sich im Herzen freuend, so unerwartet wieder treffliche Geschäfte zu machen, es ist nur eine Kleinigkeit, mit welcher ich dir seither nicht beschwerlich fallen wollte.

Kleinigkeit? wiederholte Hassan, solltest du etwa vergessen haben, daß ich dir auftrug, den Sklaven so auszustatten, daß sich Hassan der Ausstattung nicht zu schämen habe?

Edler Hassan, versetzte Osmin, ich habe nichts gespart und glücklich gelangte Ilev in seine Heimath.

Hast du auch sichere Nachricht hierüber? fragte Hassan.

Die sicherste, edler Hassan, sagte Osmin, ist mir von dem Handlungshause zugekommen, welchem ich deinen Schützling anvertraute. Vater und Sohn preisen sich nun glücklich und erflehen für dich täglich den himmlischen Segen.