Und sanft und schmeichelnd ruft es aus: „du, liebe Mutter, gib mir eine Blum aus deinem Strauß, ich hab' dich auch so lieb!“
Und als die Mutter es nicht tut, da denkt das Kind für sich: „Sie schläft, doch wenn sie ausgeruht, so tut sie's sicherlich.“
Schleicht fort, so leis' es immer kann, und schließt die Türe sacht und lauscht von Zeit zu Zeit daran, ob Mutter noch nicht wacht.
Friedrich Hebbel.
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Das Kind am Brunnen.
Frau Amme, Frau Amme, das Kind ist erwacht! Doch die liegt ruhig im Schlafe. Die Vöglein zwitschern, die Sonne lacht, am Hügel weiden die Schafe. Frau Amme, Frau Amme, das Kind steht auf, es wagt sich weiter und weiter! Hinab zum Brunnen nimmt es den Lauf, da stehen Blumen und Kräuter. Frau Amme, Frau Amme, der Brunnen ist tief! Sie schläft, als läge sie drinnen. Das Kind läuft schnell, wie es nie noch lief, die Blumen lockens von hinnen. Nun steht es am Brunnen, nun steht es am Ziel, nun pflückt es die Blumen sich munter; doch bald ermüdet das reizende Spiel, da schaut's in die Tiefe hinunter. Und unten erblickt es ein holdes Gesicht mit Augen, so hell und so süße. Es ist sein eignes, das weiß es noch nicht, viel stumme freundliche Grüße! Das Kindlein winkt, der Schatten geschwind winkt aus der Tiefe ihm wieder. Herauf! Herauf! so meint's das Kind; der Schatten: Hernieder! Hernieder! Schon beugt es sich über den Brunnenrand. Frau Amme, du schläfst noch immer!
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Da fallen die Blumen ihm aus der Hand und trüben den lockenden Schimmer. Verschwunden ist sie, die süße Gestalt, verschluckt von der hüpfenden Welle; das Kind durchschauert's fremd und kalt, und schnell enteilt es der Stelle.
Friedrich Hebbel.