An Jahren alt, an Gütern reich, teilt' einst ein Vater sein Vermögen und den mit Müh erworb'nen Segen selbst unter die drei Söhne gleich. „Ein Diamant ist's,“ sprach der Alte, „den ich für den von euch behalte, der mittels einer edlen Tat darauf den größten Anspruch hat.“

Um diesen Anspruch zu erlangen, sieht man die Söhne sich zerstreu'n. Drei Monden waren kaum vergangen, so stellten sie sich wieder ein.

Drauf sprach der älteste der Brüder: „Hört! es vertraut' ein fremder Mann sein Gut ohn' einen Schein mir an; ich gab es ihm getreulich wieder. Sagt, war die Tat nicht lobenswert?“— „Du tat'st, mein Sohn, was sich gehört,“ ließ sich der Vater hier vernehmen; „wer anders tut, der muß sich schämen; denn ehrlich sein ist unsre Pflicht. Die Tat ist gut, doch edel nicht.“

Der zweite sprach: „Auf meiner Reise fiel einmal unachtsamerweise ein Kind in einen tiefen See.

Ich stürzt' ihm nach, zog's in die Höh und rettete dem Kind das Leben. Ein ganzes Dorf kann Zeugnis geben.“— „Du tatest,“ sprach der Greis, „mein Kind, was wir als Menschen schuldig sind.“

Rettung

Der jüngste sprach: „Bei seinen Schafen war einst mein Feind fest eingeschlafen an eines tiefen Abgrunds Rand; sein Leben stand in meiner Hand. Ich weckt' ihn und zog ihn zurücke.“— „O,“ rief der Greis mit holdem Blicke, „Dein ist der Ring! Welch edler Mut, wenn man dem Feinde Gutes tut.“

M. G. Lichtwer.

Gasthausschild

Das Tischgebet.