Sie kommen nach Hause, sie setzen den Krug ein jedes den Eltern bescheiden genug und harren der Schläg' und der Schelten. Doch siehe, man kostet: „Ein herrliches Bier!“ Man trinkt in die Runde schon dreimal und vier und noch nimmt der Krug nicht ein Ende.

Das Wunder, es dauert zum morgenden Tag; doch fraget, wer immer zu fragen vermag: „Wie ist's mit den Krügen ergangen?“ Die Mäuslein, sie lächeln, im stillen ergötzt; Sie stammeln und stottern und schwatzen zuletzt und gleich sind vertrocknet die Krüge.

Und wenn euch, ihr Kinder, mit treuem Gesicht ein Vater, ein Lehrer, ein Aldermann spricht, so horchet und folget ihm pünktlich! Und liegt auch das Zünglein in peinlicher Hut, verplaudern ist schädlich, verschweigen ist gut; dann füllt sich das Bier in den Krügen.

Goethe.

Dekoration - Krug

Pflug

Die beiden Pflugscharen.

Von gleicher Art des Eisens wurden in einer Werkstätte zwei Pflugscharen verfertigt. Eine davon kam in die Hand eines Landmannes, die andere ward in einen Winkel gestellt. Erst nach mehreren Monaten erinnerte man sich derselben, zog sie aus ihrer Ruhe hervor, und siehe! sie war ganz mit Rost bedeckt. Wie erstaunte sie, als sie ihre Gefährtin wiedersah und sich selbst mit ihr verglich! Denn diese fand sie hell und glatt, ja, glänzender als sie anfangs gewesen war. „Ist das möglich?“ rief die verrostete aus; „einst waren wir einander gleich; was hat dich so herrlich gemacht, während ich in der glücklichsten Ruhe so verunstaltet worden bin?“ — „Eben diese Ruhe“, erwiderte jene, „war dir verderblich. Mich hat Übung und Arbeit erhalten, und diesen verdanke ich die Schönheit, in der ich dich jetzt übertreffe.“

G. Meißner.

Die beiden Äxte.