Ausnehmend gut gefiel Josi der Frau Cresenz. »Merkt Ihr nicht, Präsident, daß das einer ist, der einmal euch allen in St. Peter über den Kopf wächst? Ich würde den alten Span, an dem nichts ist, ruhen lassen und zöge den Vorteil gegen mich. Stellt Josi Blatter als Führer ein, wir machen Staat mit ihm.«

»So, Präsidentin!« donnerte darauf der Bärenwirt, »dürfen mir die Gäste nicht mehr selber sagen, was sie für thörichte Wünsche aushecken — müßt Ihr ihnen als Fürsprecher dienen? Gott's Wetter, da wird kein Heu dürr. Wo habt Ihr den Verstand?«

Eines Tages aber entstand in St. Peter ein großer Auflauf von Einheimischen und Fremden. Auf der Spitze der Krone sah man zwei schwarze Punkte — zwei Bergsteiger! »Der Engländer und der Rebell,« rieten die Leute gleich, »es sind gewiß keine anderen.« Was im Thal an Fernrohren aufzutreiben war, richtete sich auf den in erhabener Einsamkeit schwebenden Gipfel des reinen Firns. Seit vor fünfunddreißig Jahren jener Naturforscher ins Thal gekommen und von der Krone über die Schneelücke nach St. Peter niedergestiegen war, hatte niemand mehr die wunderbare Spitze betreten. Von den Schleiern der Armenseelensage geheiligt schien sie den Menschen nichts weiter zu sein als ein göttlicher Altar des Lichtes, auf dem der Morgen und der Abend ihre Fackeln anzündeten, die Sterne in bleicher Mitternacht ruhten und arme Seelen sich büßend auf die Freuden des Paradieses vorbereiteten.

Jetzt war der Bann gebrochen. Die Fremden jubelten, sie schwangen den Kühnen zum Gruß mächtige Tücher und sahen durch die Ferngläser, wie die zwei Männchen auf der Spitze die Grüße erwiderten. »Ein patenter Bursche, dieser Boy des Ingenieurs!« widerhallte es im Bären.

Die Frauen von St. Peter aber jammerten und die Männer tobten: »Jetzt ziehen die armen Seelen aus, das Dorf muß untergehen, wäre doch der Rebell im letzten Winter erfroren, der bringt Unglück über das ganze Thal.«

Die furchtbare Erregung wuchs, einzelne, die meinten, die Strafe des Himmels breche sofort herein, rüsteten ihre Siebensachen zum Auszug, andere stürmten zur Kirche: »Läutet die heiligen Glocken, damit die armen Seelen bleiben.«

Der Pfarrer, der nicht an die Abgeschiedenen im Eise glaubte, erhob Einsprache — umsonst — die Glockenklänge rauschten durchs Thal und vermehrten die Verwirrung.

»Haben die von St. Peter schon wieder einen Heiligen zu verehren, den niemand kennt als sie?«

So fragten die Fremden verwundert, der Presi und Frau Cresenz aber gaben ausweichenden Bescheid.

Vroni weinte herzlich: »Nun ist er doch gegangen!«